Religion ist kein Ausweg!
"Der Lohn derer, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten
und Unordnung im Lande zu erregen trachten, wäre der, dass sie getötet
oder gekreuzigt werden sollten oder dass ihnen Hände und Füsse abgeschlagen
werden sollten für den Ungehorsam oder dass sie aus dem Lande vertrieben
würden. Das würde eine Schmach für sie sein in dieser Welt; und
im Jenseits wird ihnen schwere Strafe zuteil." (Sure 5, Der Tisch,
34, Schreibweise wie im Original, im deutschen Korantext sind entscheidende
Passagen abgeschwächt übersetzt. Daher in Klammern die wörtliche
Übersetzung aus dem türkischen.)
Am 17. Januar 2000 wurden wir durch die Taten der Hizbullah Zeuge
von Grausamkeiten, die denen der in der Sure 5 eingeforderten Grausamkeiten
ähneln. (*)
In vorangegangenen Artikeln haben wir schon die Gründe aufgeführt,
warum der Staat versuchte diese Organisation, die nicht mehr für
seine Interessen einsetzbar ist, und sich seiner Kontrolle entzogen
hat, zu zerschlagen.
Entsprechen die Ideologie und die Aktionen der Hizbullah dem Islam?
Oder ist die Hizbullah wie der Staat der Türkischen Republik und
seine herrschenden Klassen behaupten eine Organisation von Mördern,
deren keine ihrer Taten mit den Inhalten der islamischen Religion
übereinstimmen?
In diesem Artikel wollen wir auf diese Fragen antworten, indem wir
die Aussagen der Theoretiker der Hizbullah mit dem Koran, dem Buch
der islamischen Religion, vergleichen.
Der Staat im Islam
Die Türkische Republik erklärt in ihrer Verfassung, dass sie ein
laizistischer Staat ist. Der Islam ist aber unvereinbar mit dem
Laizismus. Der Islam ist eine Form der Staatsführung.
Darum kämpft die Hizbullah für den Sturz des türkischen Staates
und die Errichtung eines Staates gemäß den vom Koran gebotenen Regeln.
Dazu einer der wichtigsten Theoretiker der Hizbullah, Mevdudi:
"Das höchste und erhabenste Ziel des islamistischen Staates ist
es den Islam weiterzuverbreiten und die Schlechtigkeiten zu beenden."
("Islam Anayasası", Nil Verlag, Seite 40)
Ein anderer Verfechter erklärt:
"Man darf nicht vergessen, dass die Gläubigen Gott nur dienen können
wenn sie einen Staat besitzen. Ein Islam ohne Staat ist kein Islam.
Denn der Ansprechpartner Gottes ist vielfach direkt der Staat."
(Mehmet Gökta, "Devletsiz İslam", 15)
Beide Verfasser stimmen in dieser Einschätzung mit dem Koran überein.
Zeigen wir das anhand eines Beispiels aus dem Koran:
"Jenen, die, wenn Wir sie auf der Erde ansiedeln (in der türkischen
Ausgabe des Korans heisst es "wenn wir ihnen auf der Erde die Macht
und Möglichkeiten geben') das Gebet verrichten und die Zakat zahlen
und Gutes gebieten und Böses verbieten würden. Und bei Allah ruht
der Ausgang aller Dinge." (Sure 41, Die Wallfahrt, 42)
Und nach welchen Regeln soll dieser Staat regieren? Auch darauf
gibt der Koran eine klare Antwort:
"Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als Erfüllung
dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter darüber. Richte
darum zwischen ihnen nach dem, was Allah hinabgesandt hat, und folge
nicht ihren bösen Neigungen gegen die Wahrheit, die zu dir gekommen
ist. Einem jeden von euch haben Wir eine klare Satzung und einen
deutlichen Weg vorgeschrieben." (Sure 5, Der Tisch, 47)
"Wer nicht nach dem richtet, (in der türkischen Übersetzung heisst
es "wer nicht mit dem regiert") was Allah hinabgesandt hat Ğ das
sind die Ungläubigen." (Sure 5, Der Tisch, 45)
Wie aus den Zitaten ersichtlich akzeptiert der Islam den Laizismus
in keinster Weise. Ausser dem von Allah hinabgesandten Buch (dem
Koran) wird nichts anerkannt. Alle die nicht damit regieren sind
selbst Ungläubige. (Wie die Ungläubigen bestraft werden sollen,
werden wir weiter unten sehen.)
Bekanntlich regiert der Staat der Türkischen Republik nicht damit
was "Allah herabgesandt" hat. Er regiert mit einer der Regierungsformen
des Kapitalismus: mit dem Faschismus. Was die Hizbullah bezüglich
des Staates sagt steht in Übereinstimmung mit dem Islam.
DER KORAN IST UNVERÄNDERBAR
Viele kemalistisch-laizistische Religionsmänner vertreten, dass
der Koran entsprechend der heutigen Bedingungen erneut modernisiert
werden müsse. Dafür können wir eine Reihe Beispiele anführen. Z.B.
die Diskussionen über den Schleier, die Einehe, das Opfern.
Nach dem Koran ist es jedoch eindeutig verboten den Koran zu kritisieren,
zu verändern oder sogar Fragen dazu zu stellen. Wer das macht ist
ungläubig.
"Das Wort deines Herrn wird vollendet sein in Wahrheit und Gerechtigkeit.
Keiner vermag Seine Worte zu ändern, und Er ist der Allhörende,
der Allwissende". (Sure 6, Das Vieh, 116)
"Hast du nicht gesehen, die über Allahs Zeichen streiten? Wie lassen
sie sich abwendig machen!". "Jene, die nicht an das Buch glauben
noch an das, womit Wir Unsere Gesandten geschickt. Bald aber werden
sie es erfahren, Wenn die Eisenfesseln um ihre Nacken sein werden,
und Ketten. Sie werden gezerrt werden In siedendes Wasser; dann
werden sie ins Feuer geworfen werden." (Sure 40, Der Gläubige, 70-
73)
Man sieht, der Koran lässt keine Diskussion oder gar Veränderung
des Buches zu. Denn dass sind die Worte "des Herrn...Keiner vermag
Seine Worte zu ändern." Auch in diesem Punkt entspricht die Praxis
der Hizbullah dem Koran.
ÜBER DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN DER GEWALT UND UNTERDRÜCKUNG DURCH
DIE HİZBULLAH UND DEM
KORAN
Die Verteidiger der Türkischen Republik lassen keine Gelegenheit
aus zu betonen, dass der Islam eine friedliche Religon ist, die
den anderen Religionen tolerant gegenübersteht. Sie propagieren,
dass besonders Gewalt und Unterdrückung dem Islam ganz fremd sind,
und der Islam eine brüderliche Religion sei. Die Grausamkeiten der
Hizbullah hätten mit dem Islam überhaupt nichts gemein. Nicht nur
Anhänger der Türkischen Republik vertreten das, sondern auch einige
sich selbst "demokratisch" oder sogar "revolutionär" nennende Gruppierungen
und Einzelpersonen teilen diese Auffassung.
Ist der Islam tatsächlich eine solche Religion?
Die Antwort darauf wollen wir wieder anhand von Zitaten aus dem
Koran geben. Zuerst gehen wir darauf ein, wie der Koran sein Verhältnis
zu anderen Religionen bestimmt und anschliessend was er über Gewalt
und Unterdrückung festlegt.
"O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden.
Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden
nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht
dem Volk der Ungerechten den Weg." (Sure 5, Der Tisch, 52)
"Wenn sie aber nach ihrem Vertrag ihre Eide brechen und euren Glauben
angreifen dann bekämpft die Führer des Unglaubens (im türkischen
heisst es: "dann tötet die Führer des Unglaubens") Ğsie halten ja
keine Eide--, auf dass sie ablassen." (Sure 9, Die Buße, 12)
"Allah vergibt das Vergangene; wer es aber wieder tut den wird Allah
strafen. Und Allah ist allmächtig, Herr der Bestrafung". (Im türkischen
heisst es: "Allah ist allmächtig, er ist der Rächer") (Sure 5, Der
Tisch, 96)
"Die nun ungläubig sind, Kleider aus Feuer werden für sie zurechtgeschnitten
werden; siedendes Wasser wird über ihre Köpfe gegossen werden, Wodurch
das, was in ihren Bäuchen ist, und die Haut schmelzen wird; Und
ihnen sind eiserne Keulen bestimmt. Sooft sie vor Angst daraus zu
entrinnen streben, sollen sie wieder dahin zurückgetrieben werden;
und es wird zu ihnen gesprochen werden:'Kostet die Strafe des Verbrennens'"
(Sure 22, Die Wallfahrt", 20-24)
"Weit sind sie von der Gnade! Wo immer sie gefunden werden, sollen
sie ergriffen und hingerichtet werden." (Sure 33, Die Verbündeten,
62)
"O Prophet, streite gegen die Ungläubigen und die Heuchler (im türkischen
heisst es "führe gegen die Ungläubigen und die Heuchler den heiligen
Krieg") und sei streng mit ihnen. Ihr Aufenthalt ist die Hölle,
und schlimm ist die Bestimmung!" (Sure 9, Die Buße, 73)
"So gehorche nicht den Ungläubigen, sondern eifere mit ihm-dem Koran-wider
sie in großem Eifer." (im türkischen heisst es "sondern eröffne
gegen sie den heiligen Krieg")
(Sure 25, Die Erlösung, 53)
"Der Dieb und die Diebin Ğ schneidet ihnen die Hände ab, als Vergeltung
für das, was sie begangen, und als abschreckende Strafe von Allah.
Und Allah ist allmächtig, allweise" ( Sure 5, Der Tisch, 39)
"Wenn zwei Männer unter euch solches tun, (im türkischen heisst
es "sich homosexuell betätigen") dann bestrafet sie beide." (Sure
4, Die Weiber, 17)
Bei diesen Zitaten zeigt sich, dass der Islam, im Gegensatz zu dem
was vorgegaukelt werden soll, keine friedliche Religion ist. Die
herrschenden Klassen in der Türkei versuchen heute diese Seiten
des Islams vor dem Volk zu verheimlichen und gehen auf diese Fragen
nicht ein. Die Personen oder Organisationen, die die Ideen des Islams
so im Leben praktizieren wollen werden als fundamentalistisch angeprangert,
und wenn sie ein Hindernis für die Herrschenden geworden sind, versucht
man sie zu vernichten. Auch das wird im Namen des Islams getan.
Die Grausamkeiten und Unterdrückung in der Theorie des Islams selbst
versucht man zu verbergen.
Einer der sich als Muslim bezeichnet, braucht nicht befremdet sein
über die Grausamkeiten, die seit dem 17. Januar 2000 über zwei Monate
lang ans Tageslicht kamen.
Diese Grausamkeiten stimmen mit den Lehren des Korans überein. Die
Methoden und Art und Weise der Ermordungen entspricht fast vollständig
den Forderungen des Korans.
Was die Hizbullah macht widerspricht nicht dem Islam. Im Gegenteil
es ist die Praktizierung des Islams. Die herrschenden Klassen wollen
die Unterdrückten mit dem Opium Religion einlullen. Dafür tun sie
alles was in ihren Kräften steht.
Weil unser Thema der Islam ist, haben wir nur über ihn geschrieben.
Auch die anderen Religionen haben in den obengenannten Fragen keinen
grundlegenden Unterschied zum Islam. So sagt z.B. die Bibel:
"Sagt doch Christus, ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen,
sondern das Schwert. Was wollt ihr" (die sächsichen Fürsten) "aber
mit demselben Machen? Nichts anderes, denn die Bösen, die das Evangelium
verhindern, wegtun und absondern, wollt ihr anders Diener Gottes
sein. Christus hat mit grossem Ernst befohlen, Luc. 19,27, nehmt
meine Feinde und würget sie vor meinen Augen". (Zitiert in: Marx-Engels,
"Über Religion", Dietz Verlag Berlin, S.88)
Die Gesellschaften werden unter Führung des Proletariats sozialistische
Revolutionen machen. Dann wird die Epoche, der Unterdrückung durch
die Religion, die nichts anderes ist, als eine Betäubung der Massen,
auf dem Müllhaufen der Geschichte landen.
Oktober 2000
("Aufruf für eine Neue Welt", Nr. 40, Dezember 2000)
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