Ist Bildung für jeden frei zugänglich?
Oder wieviel kostet sie?

Viele, die diese Überschrift lesen, werden denken, daß Bildung so wie es auch gesetzlich festgelegt ist für jeden kostenlos zur Verfügung steht. Aber trotzdem stimmt dabei irgendetwas nicht. Denn sie wissen, daß angefangen von den Kindergärten, bis hin zu Höheren Schulen für Bildung eine Unmenge Geld ausgegeben werden muß
Es ist sogar so, daß hunderttausende Betroffene, aus finanziellen Gründen entweder gar keine Bildungsmöglichkeiten haben, oder auf halbem Weg abbrechen müssen.
Die Frage "Ist die Bildung für jeden frei zugänglich? Oder wieviel kostet sie?" haben wir natürlich für die Staatsschulen gestellt. Es gibt in der Türkei eine Unmenge von "privaten" stattlich anerkannten Schulen mit Schulgeldpflicht. Aber unser Thema ist nicht, wieviel oder wiewenig diese Schulen kosten.
Wir wollen hier auf die Frage eingehen, wie die tatsächliche Lage in den Staatsschulen in der Türkei aussieht, von denen gesagt wird, sie seien kostenlos.

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WAS IST KOSTENLOSE, FÜR JEDEN FREI ZUGÄNGLICHE BILDUNG?

Bevor wir einschätzen können, ob es in der Türkei eine kostenlose für jeden frei zugängliche Bildung gibt oder nicht, müssen wir erst einmal beleuchten, was kostenlose Bildung bedeutet, und welche Bereiche sie umfaßt.
Kostenlose für jeden frei zugängliche Bildung bedeutet nicht, daß man eine Bildung, ohne einen Pfennig auszugeben, gibt oder erhält.
Kostenlose für jeden frei zugängliche Bildung bedeutet daß der Staat alle Ausgaben übernimmt, und der Einzelne keine weiteren Geldmittel aufwenden muß. Kostenlose, für jeden frei zugängliche Bildung ist keine Frage, die das Individuum oder die Familie lösen sollte sondern eine gesellschaftliche Frage.
Kostenlose, für jeden frei zugängliche Bildung umfaßt auch nicht nur die Elementaren und Mittleren Bildungsinstutionen, sondern gleichzeitig auch die der Berufsausbildung und Höheren Bildung. Mit anderen Worten das Recht auf kostenlose Bildung muß für alle Bildungsinstitutionen gelten.
Kostenlose, für jeden frei zugängliche Bildung bedeutet nicht nur, daß das Gehalt für den Lehrer finanziert wird, sondern auch für Bücher, Hefte, Stifte, Heizkosten und Einrichtung der Schule, Aufnahme- Papier- Zeugnis- und Diplomgebühren, Fahrgeld, Kursgeld etc. Unendgeldliche Bildung bedeutet, daß all das durch den Staat finanziert wird.
Kostenlose, für jeden frei zugängliche Bildung darf nicht wie in der Türkei bedeuten, auf dem Papier von der Existenz der kostenlosen für jeden frei zugängliche Bildung zu reden, und in Wirklichkeit aber alle Ausgaben mit Ausnahme des Gehalts der Lehrer den Schülern bzw. deren Familien aufzudrücken.
Kostenlose, für jeden frei zugängliche Bildung sollte nicht dazu führen, daß die Werktätigen mit niedrigem Einkommen gezwungen sind, sich mit einer nicht ganz so teuren Bildung in den Staatsschulen zu begnügen, und daß eine Eliteschicht, die über ein hohes Einkommen verfügt die "Freiheit" hat ihre Kinder in (teuren) Privatschulen oder im Ausland auszubilden. Unendgeldliche Bildung bedeutet gleiche und nicht unterschiedliche Bildungschancen!
Unendgeldliche Bildung bedeutet zugleich, daß die Bildung in dem Sinne vergesellschaftet wird, daß sie den Arbeitern und Werktätigen zugute kommt, und nicht dazu da ist, um die Arbeitskraftbedürfnisse der Kapitalisten zu decken und nicht dazu dient, daß die Kapitalisten besser ausbeuten.
Solch ein Bildungssystem ist nicht verwirklichbar, solange die Ausbeuterklassen an der Macht sind. Der Unterschied zwischen den Ländern, in denen die Ausbeuterklassen an der Macht sind, ist nur, daß in dem einen mehr, in dem anderen etwas weniger für die Bildung ausgegeben wird.
Demnach kann man nicht sagen, daß es in der Türkei eine kostenlose Bildung gibt. Man kann nur darüber reden, "wie teuer" die Bildung in der Türkei ist.
Erziehungsberechtigte der Schüler, die den Sozialismus und seine unendgeldliche Bildungspolitik nicht kennen, und keinen Vergleich zwischen den Bildungssystemen in den verschiedenen bürgerlichen Ländern machen können, bleiben mit ihrem Schicksal alleine, und akzeptieren es. Die Forderung nach kostenloser für jeden frei zugängliche Bildung wird außer von den klassenbewußten Schülern und ihren Angehörigen nur als eine Teil- und keine revolutionäre Forderung gestellt, oder aber entwickelt sich nicht zu einer Massenforderung. "Kostenlose für jeden frei zugängliche Bildung" wird heute hauptsächlich an den Universitäten eingefordert.

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Was sehen die Gesetze in der Türkei vor?

Die Gesetze zur Bildung (einschließlich der Lehre und Berufsausbildung) sind Gesetzestexten verschiedener Länder entnommen. Zum größten Teil gibt es sie nur auf dem Papier, sie werden nicht angewandt, beziehungsweise genau gegenteilig praktiziert.
Nach der Gründung der Republik wurde das erste Bildungsgesetz "Teivhidi Teidrisat Kanunu" (nach dem damalig gültigen hellenischen Kalender am 3.3.1340) nach der christlichen Zeitrechnung 1924 erlassen. In diesem Gesetz wie auch in allen nachfolgenden zur Bildung wird nicht festgeschrieben, daß die Bildung tatsächlich kostenlos sein soll. Unter "Bildung" wird im allgemeinen die Grundschulzeit verstanden. Und es liegt klar auf der Hand, daß heute die Grundschulbildung auch nicht kostenlos ist.
Sehen wir uns die heute gültigen Gesetze an. In dem "Gesetz über Nationale Bildung" (1973) heißt es unter dem Unterpunkt "Chancengleichheit":
"Paragraph 8.
"In der Bildung herrscht Chancengleichheit für Frauen und Männer. Um erfolgreichen Schülern, die über keine materiellen Möglichkeiten verfügen, eine höhere Bildung zu ermöglichen, werden ihnen kostenlos Internate, Stipendien, Kredite zur Verfügung gestellt und andere notwendige Hilfen geleistet .
Es werden besondere Maßnahmen ergriffen, um Kinder, die eine Sonderbeschulung und Schutz benötigen zu erziehen."
In diesem Gesetz wird davon ausgegangen, daß Frauen und Männer gleiche Chancen und Möglichkeiten haben. Aber das entspricht nicht im entferntesten der Wirklichkeit.
Davon zu reden, daß Frauen "Chancengleichheit" besitzen ist purer Unsinn. Es reicht aus, sich vor Augen zu halten, in wievielen Fragen das Gesetz einzig dem als Familienoberhaupt anerkannten Mann die Entscheidungsbefugnis gibt, um zu sehen, daß Frauen im Verhältnis zu den Männern an zweiter Stelle stehen, und keine gleichen Chancen haben und wahrnehmen können. Wenn man dem noch hinzufügt, daß in der Gesellschaft feudale patriarchale Vorstellungen nach wie vor vorherrschend sind, und durch die Gesetze unterstützt werden (so ist das Zahlen von Brautgeld nicht verboten) ist es noch eindeutiger, daß es keine "Chancengleichheit", sondern massive Ungleichheit der Frauen gibt.
Es ist ein weiterer Betrug in einem Land, in dem es Reiche und Arme, Unterdrücker und Unterdrückte gibt, von Chancengleichheit zu reden. Man braucht sich nur anzuschauen, wieviele wegen Geldmangel keine Schulausbildung haben, oder in Armut lernen, um zu sehen, daß die auf dem Papier verkündete Chancengleichheit nicht in der Wirklichkeit existiert.
Die Tatsache, daß im Gesetz einerseits davon geredet wird, daß "Chancengleichheit für Frauen und Männer herrscht", und andererseits erklärt wird, daß "Schülern, die über keine materiellen Möglichkeiten verfügen ... notwendige Hilfen geleistet" werden, zeigt alleine schon, daß diese Chancengleichheit nicht existiert. Wenn es doch angeblich Chancengleichheit gibt, und die Bildung kostenlos ist, warum wird dann von "Schülern, die über keine materiellen Möglichkeiten verfügen" geredet?!
Es gibt in diesem Paragraphen einen weiteren Punkt, den man nicht übersehen darf:
Die materielle Hilfe erhalten " erfolgreiche Schüler, die über keine materiellen Möglichkeiten verfügen"!
Das ist keine Unterstützung, die Tausenden, Zehntausenden gewährt wird, sondern nur den sehr wenigen Ausnahmen der hunderttausenden "Armen", die es schaffen trotz Armut erfolgreich zu sein. Das ist also keine Unterstützung die den Schülern, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht erfolgreich sein können, gegeben wird, um ihnen überhaupt die Möglichkeit dafür zu eröffnen gut zu sein. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die "Chancengleichheit" nur leeres Geschwätz.
In diesem Paragraph wird selbst eingestanden, daß die Bildung nicht kostenlos ist, denn wenn sie es wäre, hätte es keinen Sinn von materieller Unterstützung für Schüler "die über keine materiellen Möglichkeiten verfügen" zu reden. Die Grundvoraussetzung für wirkliche Chancengleichheit für alle ist, daß das Recht einer kostenlosen für jeden frei zugängliche Bildung tatsächlich existiert. Aber die Wirklichkeit ist nicht so.
In dem "Grundschul- und Bildungsgesetz" (5.1.1961) wird ausgeführt in welchen Schulen die Bildung "kostenlos" ist:
"Paragraph - 2. Der Grundschulunterricht wird in den Institutionen der Grundschule erteilt; für die Mädchen und Jungen im Schulalter sind die staatlichen Schulen für die eine Schulpflicht besteht kostenlos."
Nachdem die Schulpflicht nun auf 8 Jahre erhöht worden ist, wird dieses Gesetz abgeändert werden. Aber es gibt einen Punkt, der unverändert bleibt und das ist die Tatsache, daß in den genannten staatlichen Grundschulen (und Mittelschulen) die Bildung nicht wie behauptet kostenlos ist. Die einzige Sache, die kostenlos scheinen mag, ist, daß das Gehalt der Lehrer nicht von den Schülern bezahlt wird. Darüberhinaus ist alles, vom Schreibzeug bis zu den Büchern zu bezahlen.
Anstelle zu sagen, daß die Bildung kostenlos ist, wäre es besser gewesen konkret zu betonen, was kostenlos ist. Aber die, die die Gesetze machen ziehen es vor zu manipulieren. !
Eines der Beispiele dafür, daß die Bildung nicht kostenlos ist, sind die Einschreibungsgebühren. Gesetzlich sind diese nirgendwo festgelegt. Willkürlich werden von den Eltern zwangsweise Einschreibungsgebühren genommen.
Ein weiteres Beispiel ist die Existenz von privaten Schulen die offiziell und gesetzlich abgesichert Schulgeld erheben. Diese Schulen können von armen Schülern nicht besucht werden. Das bedeutet für die Reichen bessere Bildungschancen und -möglichkeiten und schlechtere für die Armen, die sich das nicht leisten können. Wie ist es möglich in dieser Situation von "Chancengleichheit" zu reden.
Von diesen privaten Schulen mit Schulgeldpflicht schießen jeden Tag mehr aus dem Boden. Im "Gesetz über die privaten Bildungsinstitutionen" wird zu der Schulgeldpflicht folgendes gesagt:
"Paragraph - 2. Die privaten Bildungsinstitutionen unterstehen der Kontrolle des nationalen Bildungsministeriums.
Diese Institutionen werden nicht ausschließlich mit Gewinnabsichten gegründet. Aber es kann ein Einkommen erwirtschaftet werden, um entsprechend den Zielen der türkischen nationalen Bildung die Qualität der Ausbildung zu erhöhen, und Investitionen und Dienstleistungen zur Erzielung dessen zu tätigen."
Es ist klar, daß Privatschulen nicht nur dafür eröffnet werden um Gewinne zu erzielen, sondern daß sie währenddessen auch Bildung vermitteln. Aber es ist ganz klar, daß sie nicht um eine "gute Tat" zu vollbringen, sondern in der Hauptsache um große Gewinne zu erzielen betrieben werden. In diesem Paragraph wird die Sache jedoch so dargestellt, als ob Privatschulen Orte der "guten Tat" seien.
Die Gesetze über die Lehrlings- und Berufsausbildung sehen dafür auch ein ziemlich hohes Schulgeld vor.
In allen Berufsschulen muß Schulgeld bezahlt werden.
Während der Lehrzeit und Praktikas haben Lehrlinge und Schüler lediglich Anrecht auf 30% des Mindestlohnes. (Siehe Gesetz über Lehrlings- und Berufsausbildung, Paragraph 25, vom 5.6.86) Der Staat gibt ihnen keinen einzigen Pfennig Unterstützung.
Nicht nur daß der Staat keine kostenlose Bildung durchführt, er verwendet den Bildungssektor als eine Quelle der Ausbeutung der SchülerInnen und ihrer Familien.

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Wieviel kostet in der Türkei die angeblich "kostenlose für jeden frei zugängliche" Bildung?

Auf diese Frage muß wenn man ganz allgemein antwortet gesagt werden "nicht wenig, sondern sehr viel Geld".
Nur der Preis für die Schulbücher zeigt, wie teuer die Bildung ist. Nach einer Untersuchung der zweiten "Egitim-Sen" (Lehrer-Gewerkschaft, A.d.Ü.) in Ankara hat heute der Markt für Schulbücher ein Budget von 21 Trillion Türkischen Lira! Dieses Geld kommt aus den Taschen der Werktätigen. Schulbücher werden vom Staat nicht unendgeldlich verteilt, sondern die Familien müssen sie kaufen. Im Schuljahr 1997/98 gab es circa 14,3 Millionen Schüler. Das Büchergeld jedes Schülers betrug durchschnittlich 14,6 Millionen TL.(ca 150 DM A.d.Ü.) Diese Summe betrifft nur Bücher, alle anderen Ausgaben sind darin nicht enthalten.
Der Tribut, den die Werktätigen zwangsweise an diesen Staat bezahlen, (der Staat bezeichnet das als Steuern) wird nicht für Schulung und Dienstleistungen für die Werktätigen, sondern für Kriegswerkzeug und den faschistischen Unterdrückungsapparat ausgegeben. Laut einer Nachricht der Zeitung Radikal vom 29. September 1997 war zwischen 1991 und 1995 die Türkei unter den ersten der 50 am meisten Waffen einkaufenden Länder. Für Waffen wurden in diesem Zeitraum 8,96 Milliarden Dollar ausgegeben. Am gleichen Tag veröffentlichte die Zeitung Radikal, eine Studie der Gewerkschaft "Saglık Emekçileri Sendikası" ("Gewerkschaft Werktätige im Gesundheitsdienst", A.d.Ü.) die aufführte, welche gesellschaftlichen Bedürfnisse mit dem Geld, das für Waffen ausgegeben wurde, hätten erfüllt werden können:
Der Staat zieht es vor einen Panzer zu kaufen, anstatt 30tausend Kindern die Ausgaben für die Schule zu erstatten. Somit sind die Arbeiter und Werktätigen gezwungen sowohl für die Ausgaben der Schüler, die der Staat nicht übernimmt, da er es vorzieht z.B. dafür Panzer zu kaufen, als auch die Waffen zu finanzieren. Anstelle daß der Staat für die 14,3 Millionen Schüler die Bildungsausgaben finanziert, zieht er es vor 476 Panzer zu kaufen, und die Bildung von den Werktätigen bezahlen zu lassen.
In der Türkei, in der die Bildung von den Werktätigen bezahlt werden muß, ist die ökonomische Lage der werktätigen Familien bedrückend. Nach Berechnungen der Gewerkschaft "Kamu Emekçileri Sendikası" (KESK) ("Werktätige im öffentlichen Dienst" A.d.Ü.), betrugen die Mindestausgaben im September für eine 4 köpfige Familie 105,76 Millionen türkische Lira (ca 1000, DM, A.d.Ü. ). Aber das Gehalt eines Gymnasiallehrers lag im September bei 45 Millionen türkischen Lira (302 amerikanische Dollar) Nach dieser optimistischen Berechnung betrugen die Ausgaben für Kultur, Bildung und Freizeit 4.166.000 türkische Lira. Es geht daraus hervor, daß eine Familie mit zwei Schülern nur für die Schulausgaben keine 5 Millionen türkische Lira ausgeben kann.
Aber die Tatsachen sind noch ganz anders. Selbst für einen Schüler liegen die notwendigen Ausgaben für Bildung noch höher. Der einzelne Schüler braucht für Fahrkosten- und Pausenfrühstück mehr als 5 Millionen. Selbst die positivsten Zahlen belegen das Ausmaß der Schwierigkeiten, in denen die Arbeiter und Werktätigen leben. In der folgenden Tabelle sind die Ausgaben aufgeführt, die ein Schüler der zweiten Klasse der Mittelstufe in dem staatlichen Gymnasium Anadolu im Schuljahr 1997/98 hatte. Sie mußten alle vom Schüler getragen werden. Das heißt, der Staat selbst bezahlt keinen Pfennig.
Legen wir diese Ausgaben auf einen Monat um:
Fahrgeld 4,5 Millionen
Essensgeld 6,5 Millionen
Taschengeld 15 Millionen
Schreibzeug 1,0 Millionen
Bei dieser Berechnung sind etliche weitere notwendige Ausgaben, z.B.eine zweite Schuluniform zum Wechseln, für Zeugnisse, Diplome und Einschreibegebühren, desweiteren für Heizgeld, Vorhänge, Wandfarbe etc. der Schule nicht enthalten. So nimmt das Anadolu Gymnasium zwischen 20 und 40 Millionen Einschreibungsgebühr. In normalen Grundschulen hängt die Höhe der Einschreibegebühren vom guten Willen der Schulleitung und von Angebot und Nachfrage ab. Daß die Bildung vom Geld abhängt zeigt sich darin, daß obgleich es ungesetzlich ist Einschreibegebühren zu verlangen, das doch überall praktiziert wird. Trotz der Proteste der Eltern und entgegen den verlogenen Zusicherungen der Verantwortlichen.
Bei diesen monatlichen Ausgaben, ist die Bezahlung der Kursgebühren, die die Mehrheit der Schüler privat nehmen müssen noch nicht inbegriffen. Für die Schüler ist es aber zwangsläufig diese Privatstunden zu nehmen, da in den Klassen bis zu 60 Schüler sitzen. Die Lehrer erhalten für ihre Arbeit ein äußerst niedriges Gehalt. Das Unterrichtssystem besteht im Auswendiglernen. In den großen Städten kostet eine solche Privatstunde circa 5 Millionen türkische Lira.
Bei einem monatlichen Familieneinkommen von 50 Millionen Lira sind diese Beträge nicht aufzubringen. Je mehr Geld man hat, desto mehr kann man es sich leisten Geld für Bildung auszugeben. Denen die keines oder nur zu wenig haben, bleibt diese Möglichkeit verschlossen. Das heißt daß die Kinder der Arbeiter und Werktätigen in Armut und Unwissenheit gehalten werden.
Auf die Absolventen des Gymnasium die Anwärter für die Uni sind, warten noch größere Unannehmlichkeiten. Damit im Jahr nicht die 1,5 Millionen Berechtigten in die Uni strömen, ist die Aufnahmezahl auf 500 tausend festgelegt worden. Lediglich jeder dritter schafft die Aufnahmeprüfungen in die Uni. Aber zu welchem Preis...
Für Kinder reicher Familien ist wieder alles rosig. Für sie spielt das Geld keine Rolle, aber für die Ausgebeuteten sieht es sehr schlecht aus. Da die Ausbildung in Grundschulen und Gymnasien von jeder Wissenschaftlichkeit weit entfernt ist, und um die Hindernisse von "ÖSS" ("Prüfung zur Auswahl der Schüler", A.d.Ü) und "ÖYS" ("Prüfung zur Zulassung der Schüler" A.d.Ü.) zu überwinden, ist es notwendig die privaten Vorbereitungskurse, die faktisch eine weitere Schule sind zu besuchen. Diese Schule muß insgesamt privat bezahlt werden. die Kosten liegen bei 200 Millionen Türkische Lira (ohne Fahrgeld und Essenskosten). Da jedes Jahr nur einer von drei Schülern es schafft in die Universität zu kommen, ist der Besuch der Vorbereitungskurse, (auch wenn man dafür bezahlt) keine Garantie die Aufnahmeprüfung für die Uni zu bestehen. Das ist ein Lottospiel mit einer "Gewinnchance" von 33%. Die Höhe der Kursusgebühren richtet sich gegen die Ausgebeuteten. Bei den 33%, die die Aufnahmeprüfung bestehen, hatte die Mehrheit vorher Privatunterricht.
Wenn ihr in Ankara einen "Onkel" habt, so kostet es monatlich 2 Millionen Türkische Lira wenn man es schafft über ihn mit der Zahlung von Bestechungsgeldern einen Platz im Studentenwohnheim zu ergattern. Auch hier ist es so, daß die Türen dieser Wohnheime für die Ausgebeuteten fest verschlossen sind. Bleibt noch die Möglichkeit sich ein Studentenzimmer zu mieten. Im allgemeinen sind die guten Universitäten alle in Großstädten, aber hier sind die Ausgaben für ein Studium auch viel höher. Im Vergleich zu mittleren Lehranstalten kostet hier alles ein Vielfaches mehr. Wenn die Ausgaben für einen Schüler in mittleren Schulen bei 27 Millionen Lira liegt, beträgt sie für Universitätsschüler 40 Millionen. Für einen Studenten ist es unmöglich ein kostenloses Stipendium zu bekommen. Bestenfalls erhält man auf Kreditbasis ein niedriges, für den Lebensunterhalt nicht ausreichendes Stipendium, das später an den Staat zurückgezahlt werden muß.
Die Familien, die nicht in der Lage sind ihre Kinder in die "kostenlosen" staatlichen Schulen zu schicken, oder sich von der Ausbildung dort nichts erhoffen, die es sich nicht leisten können, daß die Kinder "ihnen auf der Tasche liegen", werden durch die "Lehrlingsausbildung" ausgebeutet. In dem Gesetz zur "Lehrlings- und Berufsausbildung" heißt es im Paragraph 10 daß die Lehrlinge "mindestens 13 und höchstens 19 Jahre" alt sein, und "zumindestens die Grundschule beendet" haben müssen. Aber die Tatsachen entsprechen dem nicht! Zehntausende Kinder, die noch nicht das Schulalter erreicht haben, und selbst die Grundschule nicht besuchen werden, arbeiten unter den schwierigsten Bedingungen "für ein Butterbrot".
Der Paragraph 25 des Gesetzes zur "Lehrlings- und Berufsausbildung sieht vor, daß das Lehrlingsgehalt höchstens 30% unter dem Mindestlohn liegen darf. Aber auch hier spricht die Wirklichkeit eine andere Sprache. Der Lohn, der den Lehrlingen gezahlt wird, verdient diesen Namen nicht, und reicht vielfach nicht mal aus, das Fahrgeld zu bezahlen.
Die Ausgaben, die die Familien für Schüler, die Berufsfachschulen besuchen haben, liegen auch nicht unter denen in anderen weiterführenden Schulen.
Wohin man auch schaut, die Bildung muß in der Türkei bezahlt werden, und zwar so hoch, daß die Arbeiter und Werktätigen diese Summen kaum aufbringen können.
Der Kampf für "kostenlose, für jeden frei zugängliche Bildung" ist noch sehr schwach entwickelt, und wird noch nicht als Kampf für Reformforderungen geführt. Die am meisten unter der Bildung nur für Geld leiden, haben dagegen noch nicht laut ihre Stimme erhoben. Es besteht nur ein sehr niedriges gesellschaftliches Bewußtsein, daß die kostenlose Bildung eine Frage der Revolution und des Sozialismus ist.

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Wen unterdrückt
die angeblich "kostenlose, für jeden frei zugängliche" Bildung?

Solange dieses System existiert, werden die Unterdrückten auch weiterhin unter der Bildung die nur für Geld zu erhalten ist leiden.
Für die Reichen ist das schnurzegal! Um die Macht ihrer Schicht weiterhin aufrecht zu erhalten können sie mit dem Kapital, das sie aus der Ausbeutung der Arbeiter und Werktätigen pressen, ihren Kindern und Verwandten eine von ihnen erwünschte beste Ausbildung zuteil werden lassen. Für sie gibt es ein "geht nicht" nicht.
Für die Klasse des Kapitals existiert keine Sorge um das tägliche Brot, ihnen sind die Probleme "wir haben kein Geld um die Schulausbildung unseres Kindes zu bezahlen" vollkommen fremd.
Für die ausgebeuteten Klassen und Schichten, insbesonders für die Arbeiter und Werktätigen sieht die Welt ganz anders aus.
* Krippen und Kindergärten gibt es sowieso nur ganz wenige. Die es gibt sind sehr teuer, und nur für die Reichen.
* In den Grund- und Mittelschulen (einschließlich der Berufsfachschulen) ist alles nur für viel Geld zu haben, mit Ausnahme des Lehrergehaltes, das nicht direkt von den Angehörigen bezahlt wird. Das Einkommen der Familien reicht nicht dazu aus, um neben ihrer Miete und den Ausgaben für das Essen auch noch die Ausbildung zu bezahlen.
* Um möglichst wenig Geld für die Bildung ausgeben zu müssen, sind sie mit den schlechtesten Ausbildungsbedingungen einverstanden.
* Eine Universitätsausbildung ist sowieso kein Recht, das auf Chancengleichheit beruht, sondern ein Lotteriespiel. Die größten Schwierigkeiten besteht für die, die das Gymnasium (oder andere gleichwertige Schulen) erfolgreich abgeschlossen haben, und auf die Aufnahmeprüfung der ÖSS und ÖYS warten, die 67% der Bewerber aussiebt.
* Wenn man zu den 33% der erfolgreichen Bewerber gehört, ist man trotzdem arm dran! Die Ausgaben für die Bildung nehmen hier um ein vielfaches zu. Die Arbeiter- und Werktätigenfamilien fangen schon an schwarz zu sehen, wenn das Studium gerade erst begonnen hat.
Wer es unter Schwierigkeiten trotzdem geschafft hat die Schule zu beenden, hat das Problem eine Arbeit zu finden! Da die "Bildung" die dieses System einem bietet nicht ausreicht, um die Anforderungen die das Kapital stellt zu erfüllen, haben die meisten die "Freiheit" arbeitslos zu sein.
Oder aber, wenn man die Chance hat, kann man seine Fähigkeiten im Dienste der Interessen des Kapitals zur Verfügung stellen!
* Viele schaffen es nicht bis hierher, insbesonders Mädchen haben vielfach nicht mal die Grundschule besucht. Viele sind gezwungen die Mittelschule das Gymnasium oder die Berufsfachsschule abzubrechen.
* Wenn ihr bei all dem nicht meint, daß die Verantwortlichen dafür die Klasse des Kapitals ist, sondern die Bildung "in die Verantwortung Gottes legt", könnt ihr eine "Predigerschule" besuchen, denn diese gibt es wie Sand am Meer. Aber für eure Unterdrücktheit und dafür, daß die Bildung nur für Geld zu haben ist, bringt diese Schule auch keine Lösung. Hier werdet ihr es als Beruf erlernen, alles als euer "Schicksal" anzusehen, und selbst dafür muß man die Ausbildung bezahlen. ...
All diese Hindernisse sieht dieses Bildungssystem für die Ausgebeuteten vor.
Unerwähnt bleiben hier die Prügel, denen die Schüler mit Beginn der Grundschule bis hin zur Höheren Schulen ausgesetzt sind, die reaktionäre- faschistische antidemokratische Bildung, die Bildung, die aus Auswendiglernen besteht und fern von jeglicher Wissenschaftlichkeit ist.
Für Studenten an der Uni oder in Privatschulen betragen die Unkosten für die Ausbildung ungefähr doppelt so viel, wie an Grund- und Mittelschulen, d.h. monatlich 54 Millionen türkische Lira. Nicht berücksichtigt sind dabei die monatliche Mietbelastung von mindestens 10 Millionen türkischen Lira, oder 2 Millionen türkischen Lira für einen Platz im Studentenwohnheim. Bleibt übrig zu sagen, daß es eines besonderen Geschickes bedarf einen Platz im Wohnheim zu ergattern.
Langer Rede kurzer Sinn; In der Türkei kostet die Bildung Geld, und zwar sehr viel! Eine Schulausbildung zu erhalten grenzt schon an ein Wunder! Natürlich nur für die Ausgebeuteten, für die Reichen nicht...

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Wann wird es "kostenlose, für jeden frei zugängliche"
Bildung? geben?

Natürlich kann man dafür kein genaues Datum geben. Man kann von der Revolution sprechen, die in jedem Land in einem anderen Zeitraum verwirklicht wird. Die Sowjetunion unter Lenin und Stalin ist uns ein Beispiel bei der Verwirklichung der kostenlosen für jeden frei zugänglichen Bildung.
Die 70 Jahre der Geschichte der türkischen Republik haben gezeigt, daß solange dieses Lohnsklavensystem nicht vernichtet ist, solange dieses Bildungssystem, das eine Fortführung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist, nicht aufgehoben wird, auch eine kostenlose, wissenschaftliche, demokratische und freie Bildung nicht verwirklicht wird. Selbst für die fortgeschrittensten kapitalistischen Länder ist die einzig wirkliche Alternative die sozialistische Gesellschaft und die sozialistische Erziehung!
In den Grenzen der türkischen Republik wird die sozialistische Gesellschaft über die demokratische Revolution, die das Arbeiter-Bauernbündnis unter Führung der Arbeiterklasse verwirklicht erreicht.
* Es gibt keinen anderen Weg als den Sozialismus um kostenlose für jeden frei zugängliche Bildung, Chancengleichheit für alle und demokratische Lehrinhalte zu verwirklichen. Eine Bildung, die sich zum Ausgangspunkt nicht die Interessen des Kapitals, sondern den Reichtum und das Glück der Gesellschaft nimmt.

Oktober 1997
("Yeni Dünya İçin ÇAĞRI", Nr. 6, November 97)