Manifest der Kommunistischen Partei

 

15O. Jahrestag der Erstveröffentlichung
des Manifestes der Kommunistischen Partei

Die Prinzipien des Manifestes von Marx und Engels vor 150 Jahren aufgestellt, sind auch heute noch gültig; sie sind auch heute aktuell

Die Begründer des wissenschaftlichen Sozialsmus Marx und Engels haben das "für die Öffentlichkeit bestimmte, ausführliche, theoretische und praktische Parteiprogramm" (Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1872, MEW Bd. 4, S. 573) der Kommunisten kurz vor der Februrarrevolution 1848 zum Druck gegeben.
In den in Europa ausbrechenden bürgerlich-demokratischen Revolutionen 1848/1849 trat das Proletariat zum ersten Mal mit seinem eigenen Programm auch der Bourgeoisie gegenüber.
Das Programm beginnt mit den berühmten Worten:
" Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus". (MEW Bd. 4, S 461)
Marx und Engels schildern die Situation, die zum Entstehen des Manifests führte:
"Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten.
Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrieen worden wäre, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurückgeschleudert hätte?" (S. 461)
Aus dieser Tatsache ziehen Marx und Engels zwei Schlüsse :
"Der Kommunismus wird bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, daß die Kommunisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus ein Manifest der Partei selbst entgegenstellen." (S. 461)
Ja, als Marx und Engels das Manifest im Jahre 1848 vorlegten, war der Kommunismus ein Gespenst. Er war ein Schreckgespenst, gegen das sich alle alten Mächte Europas und die Bourgeoisie, die mit ihnen um die Macht kämpfte zu einer Hetzjagd verbündet hatten. Die Kommunisten hatten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke und ihre Tendenzen noch nicht vor der ganzen Welt offen dargelegt. Alles was sich oppositionell regte, wurde als kommunistisch tituliert. Gegen den Kommunismus wurden die Hexenkessel angefeuert.
Die Angst ging um. Eine Angst, die instinktiv die Wahrheit begriff, daß der Kommunismus tatsächlich die Zeitbombe ist, die unter der Herrschaft des Privateigentums an Produktionsmitteln tickt. Die Angst der besitzenden Klassen hatte eine materielle Grundlage. "Das Gespenst des Kommunismus" war Ausdruck der begründeten Angst. Das An-die-Wand-Malen eines Gespenstes sollte aber auch die Arbeiterklasse und die Werktätigen das Fürchten lehren und sie vom Kommunismus abhalten.
Marx und Engels haben mit dem Manifest diesem Märchen vom Gespenst des Kommunismus ein Ende gesetzt. Sie haben die Anschauungsweise, die Zwecke und Tendenzen der Kommunisten, programmatisch und offen dargelegt. Das Manifest proklamiert wissenschaftlich als die einzige Alternative zum System der Ausbeutung auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln den Sozialismus. Das Gespenst wurde entschleiert! Der Kommunismus wurde zum Licht am Ende des Tunnels.
Marx und Engels haben im Manifest alle Horrorgeschichten der Ideologen und Apologeten des Ausbeutungssystems über den Kommunismus einzeln auseinandergenommen und widerlegt. Sie haben im Manifest das Programm der proletarischen Revolution formuliert:
"Alle früheren Klassen, die sich die Herrschaft eroberten, suchten ihre schon erworbene Lebensstellung zu sichern, indem sie die ganze Gesellschaft den Bedingungen ihres Erwerbs unterwarfen. Die Proletarier können sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte nur erobern, indem sie ihre eigene bisherige Aneignungsweise und damit die ganze Aneignungsweise abschaffen. Die Proletarier haben nichts von dem Ihrigen zu sichern, sie haben alle bisherigen Privatsicherheiten und Privatversicherungen zu zerstören.
Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewegung ist die selbstständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl, im Interesse der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne daß der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird." (MEW 4, S. 472)
In dem Maße, wie die im Manifest formulierten Ansichten in die Arbeiterklasse hineingetragen, und mit der Arbeiterbewegung vereinigt wurden, verlor der Kommunismus für die Arbeiterklasse, sein Gespenstergesicht. Indem selben Maße wurde er zu einem wahren Trauma für die Bourgeoisie. 23 Jahre nach dem Erscheinen des Manifests wehte in Paris zum erstenmal in der Geschichte die Herrschaftsfahne des Proletariats. Die Pariser Kommune wurde durch die vereinten Kräfte der europäischen Bourgeoisie und der gesamten Reaktion im Blut erstickt. Ihre 72 tägige Erfahrung hat eine von Marx und Engels im Manifest noch offengelassene Frage definitiv beantwortet:
"Die Kommune hat den Beweis geliefert, daß die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz nehmen und sie für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann."(Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1872, MEW 4, S. 574)
Nein, der bürgerliche Staat mußte in der proletarischen Revolution bis in seine Grundfesten zerschlagen werden. Errichtet werden sollte eine neue, proletarische Staatsmacht in Form der Kommune.
70 Jahre nach dem Erscheinen des Manifests, hat der Kommunismus seine Fahne in einem Sechstel der Erde gehißt und seine Herrschaft gegründet. Mit der Oktoberrevolution in Rußland 1917 wurde klar, daß nicht das Gespenst des Kommunismus sondern der Kommunismus als reale Macht, nicht nur in Europa sondern in der ganzen Welt umgeht. Er bedrohte die Macht des Imperialismus und drängte ihn zurück.
Leider entwickelt sich die Geschichte nicht in Form einer ständig aufsteigenden geraden Linie. Leider gibt es im Kampf zwischen Revolution und Konterrevolution nicht immer Siege für die Revolution. In der Vorwärtsbewegung der Geschichte gibt es immer wieder Brüche, scheinbare Rückwärtsbewegungen. Die Vorwärtsbewegung des Kommunismus hat seit Mitte der fünfziger Jahre eine Stagnation und Rückentwicklung erlebt. Dabei spielten die modernen Revisionisten die Hauptrolle. Die modernen Revisionisten haben hinter einer kommunistischen Maske versteckt, die grundlegenden Prinzipien des Marxismus-Leninismus verfälscht. In der ehemaligen sozialistischen Sowjetunion haben sie die Diktatur des Proletariats schrittweise liquidiert. Auch der Widerstand der Marxisten-Leninisten, vor allem aus der Kommunistischen Partei Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens hat nicht vermocht, diese "Rückkehr" und diese "Entartung" zu stoppen. Dabei spielten einige faule Kompromisse, und schwere Fehler im Kampf eine Rolle.
1990-1991 brach der "Ostblock", bestehend aus den sich sozialistisch nennenden Ländern, in denen der Revisionismus an der Macht war, zusammen. Das wurde von der imperialistischen Bourgeoise zum Zusammenbruch und der endgültigen Niederlage des Kommunismus deklariert.
Heute 150 Jahre nach der Veröffentlichung des Manifests geht wieder ein "Gespenst des Kommunismus um." Nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt.
Diesmal wird es als Gespenst einer toten Macht und des Bösen hingestellt. Wie vor 150 Jahren hat dieses Gespenst wieder eine Doppelfunktion.
Auch wenn hundertmal totgesagt, ist der Kommunismus nachwievor die ernsteste Bedrohung für die Bourgeoise und ihre größte Angst. Sie weiß um die Macht des Kommunismus. Sie hat immer noch Angst vor ihm wie vor einem Schreckgespenst.
Darüberhinaus versucht die Bourgeoisie -wie vor 150 Jahren- das Proletariat und die Werktätigen vom Kommunismus abzuhalten. Darum bedient sie sich des Pseudokommunismus, deklariert ihn zum Kommunismus, um dann seinen Tod zu diagnostizieren. Sie wissen aber dabei genau, daß das was zusammengebrochen ist mit dem Kommunismus nichts zu tun hatte, sondern eine Karikatur war. Sie haben wie vor 150 Jahren Angst vor dem wirklichen Kommunismus.
Der Kommunismus ist heute, im Gegensatz zu vor 150 Jahren nicht nur in Europa, sondern überall in der Welt brandaktuell. Er geht nun überall um. Er geht um in den imperialistischen Ländern in den Kämpfen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen. Er geht um in den vom Imperialismus abhängigen Ländern, in den Befreiungskämpfen der unterdrückten Völker. Er geht um vor allem in der Gestalt der wirklichen kommunistischen Parteien. Das Gerede der Bourgeoisie über das Ende des Kommunismus ist nichts als eine Zwecklüge. Sie ähneln da Kindern die in einem dunklen Wald pfeifen um die Angst zu verdecken. Sie haben Angst. Wie anno dazumal. Wie im Jahre 1848. Aber Angst verhindert den Tod nicht. Die im Manifest vor 150 Jahren formulierten Prinzipien des Kommunismus werden früher oder später die werktätigen Massen ergreifen. Das System des Privateigentums wird auf der Müllhalde der Geschichte landen. Auf den Trümmern der alten Gesellschaft wird eine neue Welt ohne Ausbeutung errichtet!

März 1998
("Yeni Dünya İçin ÇAĞRI", Nr. 11, April 98)