Zum 8. März...

Arbeiterinnen, werktätige
Frauen, Genossinnen

Frauen LogoKopftuchtragen oder nicht, die Prinzipien der kemalistischen Revolution verteidigen oder nicht das sollen die brennenden Fragen der werktätigen Frauen sein! Unsere Probleme sind ganz andere:
Das Brot wird fast täglich teurer, die Miete steigt, die Entlassungen nehmen zu. In den Nähwerkstätten erhalten wir Hungerlöhne: Für 10 Stunden Arbeit 15 Millonen Lira. Muß ein Auftrag für eine italienische oder deutsche Firma fristgerecht abgeliefert werden, und es drohen hohe Konventionalstrafen, dann schließt der Patron schon mal die Werkstatt zu und wir müssen bis Mitten in der Nacht Sklavenarbeit leisten. In den Häusern der Reichen bekommen wir vielleicht etwas mehr Lohn, werden noch mehr gedemütigt und wie Sklavinnen behandelt.
Die Gewerkschaften von DISK bis Türk-IŞ schreiben viel auf geduldiges Papier über Frauenrechte...aber was ist im tagtäglichen Leben...? Unsere Rechte vertritt niemand... Oft stimmen sogar männliche Kollegen unserer Entlassung zu, wenn sie nur ihren Arbeitsplatz erhalten können...
Und zu Hause....die Kinder, die Küche, die Wohnung, das Einkaufen, die Gäste....alles unsere Arbeit, nach 10 stündigem Arbeitstag, endlosen Fahrzeiten...dann geht es weiter, bis zur Erschöpfung. Funktionieren wir nicht ist die Antwort vom Mann, vom Schwiegervater, dem Bruder...Gewalt. Die Frauen werden bestraft.
Dieses Ausbeutungs- und Unterdrückungssystem sieht für uns vor, fügsame Lohn- und Sexsklavinnen zu sein. Aber wir werktätigen Frauen akzeptieren das nicht. Wir kämpfen an allen Fronten, in den Knästen als politische Gefangene, vor den Knästen als Mütter, Schwester, Ehefrauen für die Vermißten, als Frauen, Revolutionärinnen gegen den dreckigen Krieg, als Arbeiterinnen in den Fabriken, als Bäuerinnen gegen die elenden Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft. Noch aber haben wir uns den Platz in den kämpfenden Reihen noch nicht genug erstritten, noch werden wir auch in den revolutionären Reihen benachteiligt, noch gibt es Gewalt in revolutionären Familien, noch sind wir kaum an führenden Plätzen in den Kämpfen...
Am 8. März machen wir uns unsere Schwächen bewußt, wir haben schon viel erreicht, aber noch lange nicht genug! Kampf gegen den Männerchauvinismus, gegen das männerchauvenistische System, wir müssen unsere Befreiung überall in die eignen Hände nehmen!
Im politischen Kampf um die Herzen und Hirne unserer Klassenschwestern, den ausgebeuteten Frauen in Türkei/Nordkurdistan, den Arbeiterinnen, den Hausfrauen, den Angestellten, kleinen Beamtinnen, den Landarbeiterinnen und Bäuerinnen müssen wir versuchen unsere Klassenschwestern aufzurütteln.....fallt nicht auf die Demagogie der Herrschenden rein, laßt uns nicht durch das Gift des Islamismus und des Kemalismus trennen, beides sind unsere Feinde und nicht unsere Probleme. Wer glauben will, soll glauben, aber keine politische und gesellschaftliche Macht für die Religion, die Opium des Volkes ist. Es ist völliger Betrug, daß der Islam uns vor dem Kapitalismus, vor dem "westlichen" Lebensstil schützen würde. Das ist eine Wahl zwischen Pest und Cholera....Der Tschador ist kein Schutz vor Pornographie, Frauenhandel und Sexismus. Die iranischen Islamisten haben auch ihre "Freudenhäuser", mit den "Revolutionstöchtern", die algerischen Islamisten vergewaltigen die Frauen, die keine Kopfbedeckung tragen erst, bevor sie ihnen die Kehle durchschneiden.
Und die Kemalisten... die Hüter der Frauenrechte? Die Kemalisten foltern in ihren Knästen routinemäßig! Frauen werden Jungfrauenuntersuchungen unterzogen, Freiheit ist bei ihnen nur bestimmte Freiheiten für die Frauen der herrschenden Klassen, ansonsten stützen sie die ganze halbfeudale Last auf den Schultern der werktätigen Frauen. Sicher, wir werden jeden Fußbreit von gewissen, sehr eingeschränkten Rechten, die uns im Laufe der Zeit aufgrund unserer Kämpfe zugestanden wurden, verteidigen, wenn sie von den Islamisten im Bündnis mit Çiller abgeschafft werden, aber nicht zum Nutzen und für die Propaganda der Kemalisten, sondern um unsere Kampfpositionen zu verbessern, oder zu verteidigen...
Genossinnen, und Genossen
Unsere Aufgabe ist, unter den Fortgeschrittenen Arbeiterinnen Mitkämpferinnen für die kommunistische Arbeit zu gewinnen... Das fordert viel Geduld, viel Aufklärungsarbeit, heißt auch viele Rückschläge zu ertragen, aber nur so werden wir die Kette der Unterdrückung zersprengen...
Genossinnen, diese Aufgabe können vor allem nur wir Revolutionärinnen verwirklichen, wir müssen Vorbild und Ansporn sein, auch im ganz alltäglichen Leben...mutig und aufrecht gegen jede Form der Unterdrückung und Benachteiligung, bereit sein, das eigene Leben in die eigenen Hände zu nehmen, sich nicht männlichen Herrschaftsansprüchen, auch nicht der des eigenen Mannes unterwerfen, eine freie und unbeugsame Kämpferin sein, die gemeinsam mit ihren Klassenbrüdern, mit ihren kommunistischen Genossen für eine andere Welt, eine Welt ohne Geschlechts- und Klassenunterdrückung kämpft. Es gilt darum in der Kommunistischen Bewegung diese Prinzipien heute schon lebendig werden zu lassen!
Arbeiterinnen reiht euch ein in die Reihen der Revolution!
Der Kampf um Frauenbefreiung ist international...
Frauen sind das unterdrückte Geschlecht...die Herrschaft des Imperialismus ist kapitalistisch und patriarchal....
Seitdem es Unterdrückung des Menschen durch den Menschen gibt, gibt es auch die Geschlechterunterdrückung, alle Kulturen der feudalen und kapitalistischen Gesellschaften heute weltweit stützen sich auf dieses Prinzip von Unterdrückung und Spaltung der unterdrückten Klassen... Der Mann ist Unterdrücker der Frau... so wird auch in den unterdrückten Klassen eine Spaltung aufrechterhalten, die die bestehendenden Ausbeutungsverhältnisse stützt.
In Indien lehrt die Religion, daß Frauen nichts wert sind, Frauen müssen sich den Ehemann einkaufen, wenn sie nicht bezahlen können werden sie von den Schwiegermüttern verbrannt, weibliche Föten werden nach Geschlechtsfeststellung abgetrieben, Witwen müssen sich selbst verbrennen, in Saudi-Arabien wird die Frau, wenn sie nur einen anderen Mann als den eigenen ansieht, oder dafür verdächtigt wird, ausgepeitscht, "Ehebrecherinnen" werden zu Tode gesteinigt, der Islam ist Staatsreligion und Familiengesetzgebung...
In den imperialistischen Metropolen in New York oder Moskau ist Prostitution ein Massengeschäft, Frauen werden verkauft und gekauft, der weibliche Körper ist eine ganz normale Ware, nur daß Prostituierte dafür gesellschaftlich gedemütigt werden, der Mann ist Freier und Ehemann zugleich... Pornographie, Kinderhandel und -prostitution...tägliche Gewalt gegen Frauen, Frauenhäuser überfüllt mit Frauen die sexueller und anderer Formen von Gewalt ausgesetzt sind...
Überall Gesetze, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandeln, Frauen sind viel stärker arbeitslos als Männer, Frauen besitzen fast nichts, weltweit 6% aller Güter, Frauen versorgen die Familien, sorgen für die Kinder, Frauen arbeiten viel mehr als Männer, Frauen haben die schlechtesten Jobs, sie werden am niedrigsten bezahlt, sie sind rassistischer Gewalt viel stärker ausgesetzt als Männer... Frauen, das ist das unterdrückte Geschlecht, das vielfältiger Unterdrückung und Ausbeutung ausgesetzt ist.
Aber die Frauen der unterdrückten Klassen und Schichten kämpfen weltweit gegen dieses Geflecht von Ausbeutung und Unterdrückung...
Sie kämpfen auf den Philippinen in der Guerilla, in der Kommunistischen Partei für die demokratische Volksrevolution und die Befreiung der Frau....sie kämpfen in Chiapas in Mexiko, in Frankreich bei den aktuellen Streiks ...
Wir die Arbeiterinnen und werktätigen Frauen können und müssen aus diesen internationalen Kämpfen lernen, Frauen geben den Kämpfen viele Ausdrucksformen, phantasievoll und vorwärtsweisend, ihre Kämpfe sind unsere.
Es lebe der internationale Befreiungskampf der Arbeiterinnen und werktätigen Frauen!
"Jede Köchin soll den Staat regieren lernen"
(Lenin)

Redebeitrag auf der Veranstaltung von Yeni Dünya İçin Çağrı zum 8. März
("Yeni Dünya İçin ÇAĞRI", Nr. 1, März 97)