Keiner wird verhindern, dass
"Aufruf für eine neue Welt"
die Wahrheit berichtet!

Stacheldraht...

Bekanntlich haben die Staatskräfte am 19. Dezember 2000 mehrere Gefängnisse in der Türkei gestürmt. Ziel dieser Operation war den Hungerstreik und das Todesfasten der revolutionären Gefangenen zu zerschlagen und sie in die F Typ Zellenknäste zu verlegen. Bei diesem von den Herrschenden zynisch als "Operation zur Rettung des Lebens" bezeichneten Angriff haben Dutzende RevolutionärInnen ihr Leben verloren, Dutzende wurden verletzt und gefoltert.
Die sozialistische Presse ist sowieso ständig verfolgt, wird verboten und es wird Anklage wegen einzelner Artikel erhoben. Diesmal wurde sie aufgrund ihrer Artikel zu den F Typ Gefängnissen konfisziert und verboten. Ihre Mitarbeiter wurden willkürlichem Terror ausgesetzt. Die Verbrechen des Staates sind groß. Damit diese Verbrechen unerkannt bleiben, um zu verhindern, daß die Massen sie erfahren und dagegen protestieren, unternimmt der Staat alles in seiner Macht stehende. Weil selbst die, die Revolutionäre verunglimpfenden Nachrichten der staatstreuen Medien, den Massen unbeabsichtigt einige Informationen über die Vorgänge gaben, wurde vom Staat, der keinerlei Pardon kennt, einfach das Verbot verhängt über dieses Thema irgendetwas zu berichten. Die staatstreuen Medien haben daraufhin ihre gesamte Berichterstattung zu diesem Thema eingestellt, und wie die drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen, sich so gegeben, als gäbe es die Kämpfe gegen die F Typ Knäste nicht. Es wurde kein Wort darüber verloren, so als würde der Kampf unter Einsatz des Lebens von hunderten, ja Tausenden RevolutionärInnen in diesem Land nicht stattfinden. Selbst als Cengiz Soydaş im Todesfasten starb, war das für sie keine Nachricht wert!
Die revolutionäre und sozialistische Presse, die weiterhin versuchte entsprechend ihrer Möglichkeiten und Kräfte zu informieren, sollte mit allen Mitteln zum Schweigen gebracht werden. Auf dem Papier, in der Verfassung, wird die Türkische Republik als ein "demokratischer, laizistischer und sozialer Rechtsstaat", der die "Menschenrechte achtet" (Verfassung der Türkischen Republik, Paragraph 2) hingestellt. Die Frage ist jedoch nicht, ob sich solche allgemeingültigen Paragraphen in der Verfassung finden oder nicht, sondern wie diese Gesetze ausgelegt, und im wirklichen Leben angewendet werden. Die in der Verfassung der Türkischen Republik, die eine Klassenverfassung im Interesse der herrschenden Klassen ist, allgemein formulierten Paragraphen über "Gleichheit", "Freiheit", etc. werden durch eine Reihe anderer Gesetze massiv beschnitten. Ein Beispiel ist die in der Verfassung verankerte "Freiheit, die Meinung und Ansichten zu äußern und zu verbreiten". Das "Gesetz zum Kampf gegen den Terror", das die Pressefreiheit als einen Bestandteil des Terrors versteht, ist ein Aufruf zum offenen Angriff auf alle nicht die herrschenden Auffassungen wiedergebenden Meinungsäußerungen und ihrer Verbreitung. Entsprechend der Gesetze existiert für die Herrschenden die uneingeschränkte Freiheit ihre Ansichten zu propagieren und zu verbreiten. Für die Arbeiter und Werktätigen und ihre Interessenvertreter dagegen, die revolutionäre und sozialistische Presse enthalten sie hunderte Einschränkungen und Verbote.
Im wirklichen Leben sind die Freiheiten und Rechte noch viel mehr beschnitten, als auf der rechtlichen Ebene. Die revolutionäre, demokratische und sozialistische Presse wird vom Staat und seinen Organen, wenn sie den Interessen des Staates zuwiderlaufende Nachrichten, also die Wahrheit berichten, aufs schärfste verfolgt. Aus nichtigsten Gründen werden die Zeitungen konfisziert, und meistens ohne daß es dafür einen richterlichen Beschluß gibt, beschlagnahmt. Die Geschäftsführer, Journalisten oder sogar die LeserInnen dieser Zeitungen werden verfolgt, unterdrückt und mit Strafe bedroht.
Das ist die Situation vieler demokratischer und revolutionärer Zeitungen und Zeitschriften. Auch wir, "Aufruf für eine neue Welt" befinden uns ständig in dieser Lage. Zu den in der Vergangenheit häufigen Konfiszierungen und folgenden Prozessen sind neue hinzugekommen. Wegen ihrer Artikel über die F Typ Zellen, den Widerstand, den die revolutionären Gefangenen gegen ihre Verlegung in die, eine totale Isolation bedeutenden F Typ Zellen, leisteten, und die Leben zerstörende (Der Staat nannte diese Operation selbst zynisch "Operation zur Rettung des Lebens" A.d.Ü.) Operation des Staates um den Widerstand zu zerbrechen, wurde die Nummer 42 von "Aufruf für eine neue Welt" konfisziert. Begründet wurde das damit, daß mit diesen Artikeln "illegale Organisationen" propagiert würden. Auch die Nummer 43 wurde später auf einen Beschluß des Staatsanwaltes hin mit ähnlicher Begründung beschlagnahmt. Damit nicht genug, auch die Broschüre zum 8. März 2001: "Wir kämpfen für die Befreiung der Frau" wurde vollkommen willkürlich auf dem Kundgebungsplatz von der Polizei, ohne einen schriftlichen Konfiszierungsbeschluß vorzulegen, beschlagnahmt.
Obgleich die herrschenden Klassen garantiert haben, daß ihre verlogene, die Tatsachen auf den Kopf stellende Klassenpolitik über Tageszeitungen, die eine Auflage von Hundertausenden haben, über hunderte Zeitschriften, Dutzende TV und Radiokanäle, jeden Tag und zu jeder Stunde verbreitet wird, fürchten sie sich gewaltig vor der revolutionären und sozialistischen Presse wie zum Beispiel dem "Aufruf", die nur eine Gesamtauflage von einigen Tausend hat.
Was ist der Grund dafür? Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Zeitschrift "Aufruf" verfügt über eine Kraft, die der Staat der Türkischen Republik nicht besitzt, da sie die Stimme der Wahrheit, ein unermüdlicher Verfolger der Tatsachen ist. Weil die Zeitung "Aufruf" für die Wahrheit eintritt und diese berichtet, zeigt sie den Arbeitern und Werktätigen den Weg für ihre Befreiung. Damit ist sie in den Augen der Herrschenden eine potentielle Gefahr. Dieser Staat und die von ihm vertretenen herrschenden Ausbeuterklassen haben keine Toleranz, wenn die Wahrheit zu Wort kommt. Und sie haben keine Toleranz, wenn die Wahrheit für die Millionen unterdrückten Werktätigen, die diese Wahrheiten benötigen, publiziert wird. Das ist der eigentliche Grund, warum der Staat die Zeitschrift "Aufruf" und die anderen revolutionären und demokratischen Publikationen systematisch angreift und verbietet.
Aber wir wissen: Die Wahrheit kommt doch ans Licht! Durch Verbote und Unterdrückung kann man sie nicht verhindern. Die Zeitschrift "Aufruf" wird trotz aller willkürlicher Unterdrückung und Konfiszierungen nicht von ihrer Linie abweichen. Sie wird auch weiterhin ein Hoffnungsschimmer für alle Unterdrückten, für alle Werktätigen sein!

März 2001
("Aufruf für eine neue Welt", Nr. 44/2001)