Die REGIERUNG fordert Geduld!
Der Geduldsfaden ist gerissen!
Die Wut bricht sich den Weg!
Am 10. April kam es in Ankara zu einer der größten und militantesten
Aktionen der letzten Jahre.
Hunderttausende Werktätige beteiligten sich an der von der "Union
der Handwerker und Kleinhändler' veranstalteten Demonstration. Sie
wollten ihren Unmut demonstrieren, dass die Last der Krise den Werktätigen,
ArbeiterInnen, BäuerInnen, Handwerkern und Kleingewerbetreibenden
aufgebürdet wird. Als die Menschenmenge mit Parolen wie "Die Regierung
soll zurücktreten' , "Dervis nach Amerika, Ecevit ins Altersheim'
(Dervis ist der Wirtschaftsminister, ehemaliger Vizepräsident der
Weltbank) zum Parlament marschierten, wurde ihnen der Weg von der
Polizei abgeschnitten. Es kam zu Auseinandersetzungen bei denen
hunderte DemonstrantInnen verletzt wurden.
Sofort nach diesen Aktionen begannen die Medien Ğdie selbst offen
mit der Polizei zusammenarbeiteten und darum auch eine der Zielscheibe
der Wut der Massen wurdenÑdie Theorie von der âProvokationÔ zu verbreiten.
Sie tönten "Leute, die den Tandoganplatz zu einem Kriegsschauplatz
machten', "Leute, die auf die Polizei Steine warfen und sie
mit Knüppeln angriffen', und sogar "auf die Führer der zur
Demo aufrufenden ÔUnion der Handwerker und KleinhändlerÕ nicht hörten",
können auf keinen Fall Handwerker und Kleingewerbetreibende sein!!!
In die Demonstration der Handwerker und Kleingewerbetreibenden haben
sich "heimat-, nation- und staatsfeindliche Provokateure"
eingeschlichen und die Aktion der Handwerker und Kleingewerbetreibenden
"missbraucht'. In der Presseerklärung von Ecevit nach dieser
Demonstration hieß es: "Solche Aktionen schaden dem Tourismussektor,
der nach unserem Ökonomieprogramm eine der wichtigsten Stützen ist',
"die Touristen werden aus Angst nicht kommen', "die Verantwortlichen
dieser Aktionen wollen der Türkei Schaden zufügen' usw. Der neue
von der Weltbank importierte Superminister Dervis erklärte, dass
'Demonstrationen ein demokratisches Recht sind, er selbst in seiner
Jugendzeit häufig demonstriert habe, aber dabei bestimmte Grenzen
nicht überschritten werden dürfen'. Der "laizistische' Teil
der Medien gab als Adresse der "Provokateure' die militanten
Scheriatanhänger an. Diese Theorie untermauerten sie damit, dass
bei der Demonstration Frauen, die kein Kopftuch trugen angegriffen
wurden, und auf der Demonstration gegen die Polizei häufig die Parole
"Hier ist die Türkei nicht Israel gerufen wurde. Einen Tag
nach den Auseinandersetzungen "enthüllten" die Medien,
dass sich an der Demonstration neben den Scheriatanhängern auch
eine handvoll Provokateure aus "extrem linken terroristischen
Organisationen beteiligt" und die Aktionen provoziert hätten!
Auch eine Reihe führender Leute der "Union der Handwerker und
Kleinhändler' distanzierten sich am Abend der Demonstration: "die,
die Steine auf die Polizei warfen, können keine Handwerker und Kleingewerbetreibenden
gewesen sein' usw. Der Gouverneur von Ankara bewertete die Auseinandersetzung
als einen "Aufstand gegen Staat und Nation'. Er "verbot'
für einen Monat sämtliche Kundgebungen und Demonstrationen in Ankara.
Einen Tag später wurden auch in Istanbul und nach einem weiteren
Tag in 11 weiteren Regierungsbezirken für einen Monat alle Kundgebungen
und Demonstrationen verboten.
Es zeigt sich, dass diese Entwicklungen für die herrschenden Klassen
sehr ungemütlich wurden. Sie begannen die Kontrolle über die Entwicklung
zu verlieren und die Wut brach an einer Stelle und mit einer Heftigkeit
aus, die sie nicht erwartet hatten. Das hat sie sehr beunruhigt.
In der Geschichte der Türkischen Republik gehen das erste Mal die
Handwerker und Kleingewerbetreibenden überwiegend spontan auf die
Straße. In einer Handwerkersiedlung in Ankara schlossen eine Handvoll
Handwerker und Kleingewerbetreibenden ihre Läden um gegen die Regierung
zu protestieren. Sie riefen alle anderen auf, sich an dem Protest
zu beteiligen. Das führte dazu, dass in kürzester Zeit die gesamte
Siedlung sich zu einer "unerlaubten' Protestaktion zusammentat,
auf die Strasse ging, den Verkehr lahmlegte und die Barikaden der
Polizei stürmte. Bei einer der ersten Protestaktionen der Handwerker
und Kleingewerbetreibenden, der Aktion in der Ankarasiedlung (Industriegebiet
der Handwerker und anderen Kleingewerbetreibenden in Ankara A.d.Ü.)
wuchs die Protestaktion innerhalb von 15 Minuten von 50 auf 5000
Demonstranten an.
Bis zu dieser Aktion waren die Handwerker und Kleingewerbetreibenden
eine der festesten Stützen der Ordnung der herrschenden Klassen.
Von unerlaubten Aktionen hielten sie sich fern. Aber diesmal gingen
sie spontan massenhaft auf die Strasse. Überall in der Türkei versuchten
sie bei unerlaubten Aktionen die Hindernisse der Polizei zu überwinden.
Dabei nahmen sie vielfach auch gewaltsame Auseinandersetzungen mit
der Polizei in Kauf.
Natürlich haben die bürgerlichen "Oppositions'parteien in denen
die Handwerker und Kleingewerbetreibenden organisiert sind, wie
DYP(Partei des rechten Weges) und FP (Tugendpartei) versucht, die
Aktionen der Handwerker und Kleingewerbetreibenden für sich auszunutzen.
Natürlich haben auch revolutionäre, kommunistische Gruppen die Aktionen
der Handwerker und Kleingewerbetreibenden unterstützt, und entsprechend
ihrer Möglichkeiten versucht richtige Ideen in diesen Aktionen zu
verbreiten. Aber den Aktionen wurde der Stempel aufgedrückt durch
den überkochenden Unmut der Handwerker und Kleingewerbetreibenden.
Die letzte ökonomische Krise hat ausser den Arbeitern und lohnabhängigen
Werktätigen, deren Einkaufskraft von einem Tag auf den anderen sich
halbierte, insbesondere die kleinen und mittleren Handwerker und
Kleingewerbetreibenden getroffen. Als mit einem Schlag die Kaufkraft
der Konsumenten sich halbierte, gab es keine Einkäufe mehr. In den
Geschäften der Kleingewerbetreibenden wurde überhaupt nichts mehr
verkauft. Diejenigen, die auf Raten Einkäufe getätigt hatten, konnten
diese nicht mehr bezahlen. Die, die auf Kredit eingekauft hatten
konnten ihre Schulden nicht tilgen. Selbst die Mieten für die Geschäfte
oder kleine Kreditschulden konnten nicht mehr bezahlt werden. Das
erste Mal sahen die breiten Massen der Handwerker und Kleingewerbetreibenden
in der eigenen Praxis was die kapitalistische Entwicklung, die Monopolisierung
für den kleinen Handwerker und Kleingewerbetreibenden bedeutet:
Vernichtung, Konkurs, Bankrott! Vom Kleingewerbetreibenden zum Arbeitslosen
und zur absoluter Verarmung!
Die Vernichtung der Kleingewerbe in unserem Land nimmt nicht den
Weg wie in der ersten Zeit der Entwicklung des Kapitalismus im Westen.
Dort war es ein Absturz des Kleinbürgertums in die Arbeiterklasse.
Aber in der jetzigen Situation, wo die Wirtschaft total zusammengebrochen
ist, reichen die im Übergang geschaffenen neuen Arbeitsplätze in
der Industrie und im Dienstleistungssektor nicht aus, um die zu
Grunde gehenden Klassen und Schichten insgesamt aufzufangen. Das
Kleinbürgertum, das seine Einkünfte verliert reiht sich ein in die
Reihen der Arbeitslosen und Verarmten!
Die Aktionen der Kleingewerbetreibenden richten sich instinktiv
gegen ihren Absturz in Arbeitslosigkeit und Armut.
Wenn diese Aktionen durch irgendetwas provoziert worden sind, dann
durch die kapitalistisch-imperialistischen Entwicklungsgesetze,
und durch die herrschenden Klassen, und ihre politische Macht, die
diese Gesetze gnadenlos in der Türkei umsetzen.
Die Theorie von der Provokation wurde aufgetischt, um zu verdecken,
dass es ein gerechter Wutausbruch der Gesellschaftskreise ist, die
die Krise am stärksten verspüren, und um die anderen Teile der Gesellschaft,
allen voran die ArbeiterInnen und anderen lohnabhängigen Werktätigen,
die auch die Nase gestrichen voll haben, daran zu hindern ihre Wut
auf die Strasse zu tragen.
Die herrschenden Klassen vermittelten mit ihrer Reaktion auf die
Aktionen der Kleingewerbetreibenden die Botschaft:
Ja, ihr könnt einige gerechte Forderungen haben, aber wir sind als
Staat und Nation in einer schlechten Lage, die Opferbereitschaft
und Einheit erfordert. In solch einer Situation müsst ihr opferbereit
sein, und dürft euch nicht zu Aktionen auf der Straße hinreissenlassen.
Denn Provokateure werden sich in eure Reihen einschleichen, eure
Aktionen ausnutzen und euch zum Aufstand gegen den Staat und die
Nation fortreissen! Darum bleibt zu Hause und geduldet euch. Wer
sich geduldet wird sein Ziel erreichen! Wir werden mit Dervis und
mit Gottesvertrauen die Krise überwinden! Zusammen mit dem IWF werden
wir es schon schaffen! Aber dafür braucht ihr Geduld, Geduld, Geduld.
Wir setzen uns sowieso mit euren Vertretern zusammen an einen Tisch
und berücksichtigen eure Forderungen. Tag und Nacht arbeiten wir
unermüdlich für die Heimat, die Nation, also für euch! Haltet euch
aber inzwischen nur ja zurück und geht nicht auf die Strasse. Die
Provokateure und Ungeheuer werden euch auffressen! Ausserdem sind
wir dann gezwungen, auch wenn wir das gar nicht wollen, euch zu
prügeln, in den Knast zu werfen und zu foltern! Deswegen bleibt
ruhig dort wo ihr seid! Wartet und übt euch in Geduld!!
Sofort nach den Aktionen der Kleingewerbetreibenden waren für den
14. April die Aktionen der Werktätigen geplant. Nach dem Ausbruch
der Krise hatten sich die grössten Gewerkschaftsföderationen und
eine Reihe von Massenorganisationen der Werktätigen zusammengesetzt
und die "Plattform der Arbeit' gegründet. Die "Plattform der Arbeit"
hatte schon einen Monat vorher angemeldet, dass sie am 14. April
in vielen Orten der Türkei Aktionen organisiert, um gegen das Ökonomieprogramm
des IWFÕs und gegen das Aufbürden der Krise auf die Schultern der
Werktätigen zu protestieren. In sehr vielen Orten haben sie Aktionen
angemeldet. Nachdem am 10. April anschliessend an die Demonstration
der Kleingewerbetreibenden in Ankara und in weiteren 14 Orten jegliche
Demonstrationen und Kundgebungen verboten wurde, bedeutete das,
daß die vorher angemeldeten Aktionen für den 14. April verboten
waren. Das war für die ArbeiterInnen und Werktätigen, die einen
Monat lang hingehalten worden waren und abwarteten inakzeptabel.
Wenn diese Demonstration nicht durchgeführt worden wäre, so hätte
das auch dazu führen können, dass die Aktionen der ArbeiterInnen
und Werktätigen ausserhalb der Kontrolle der sich in der "Plattform
der Arbeit " vereinigten systemimanenten Organisationen geriet.
Die Führer der "Plattform der Arbeit" verhielten sich in dieser
Situation so, als gäbe es kein Verbot, und erklärten, sie würden
die Aktionen wie geplant durchführen. Sie garantierten, dass diese
Aktionen mit einer "der Arbeiterklasse gebührenden Verantwortlichkeit
durchgeführt' werden, und man "Provokationen nicht erlauben' würde.
Die Führer der "Plattform für Arbeit" bewiesen mit dieser Erklärung,
dass sie die Sichtweise, die den Widerstand gegen die Polizei und
die Staatskräfte als Provokation hinstellte, vollkommen übernommen
hatten. Angesichts dieser Situation war das Risiko, dass bei einem
Verbot die Aktionen der ArbeiterInnen und Werktätigen ausser Kontrolle
gerieten grösser als ein genehmigtes kontrolliertes Dampfablassen.
Deswegen zogen sie es vor diese Demonstration zuzulassen. Am 14.
April trugen Hunderttausende ArbeiterInnen und Werktätige überall
in der Türkei und auch in den Gebieten, in denen "alle Kundgebungen
und Demonstrationen verboten sind' mit Aktionen ihren Unmut gegen
das ökonomische Programm des IWF auf die Straße. Diese Aktionen
verliefen hauptsächlich friedlich, nur dort wo die Polizei die DemonstrantInnen
angriff gab es kleinere Scharmützel. Diese Aktionen wurden von den
Herrschenden als "in akzeptablen Grenzen verlaufend' bewertet. Die
Medien lobten den gesunden Menschenverstand der "Führer der Plattform
der Arbeit' und der Staatskräfte.
Die, die die Aktionen der Kleingewerbetreibenden als Provokation
bezeichneten, veröffentlichten am Tag der Demonstrationen der ArbeiterInnen
und Werktätigen ihr ökonomisches Programm. Seit der Krise wurde
das neue Programm als "Befreiungsprogramm', "ökonomischer Befreiungskrieg',
"zweiter Befreiungskrieg' usw. angekündigt. In Wirklichkeit bietet
es überhaupt nichts Neues. Dieses Programm ist die größte Provokation
der ArbeiterInnen und Werktätigen.
Es sieht eine 57% Inflationsrate für das Jahr 2001 vor. Selbst wenn
diese Inflationsrate nicht überschritten wird Ğund dass ist sehr
schwer, weil schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres die
Inflationsrate 40% erreicht hat--, so bedeutet das für die ArbeiterInnen
und Werktätige, dass ihr Lohn/Gehalt 57% an Wert verliert und die
tatsächlichen Löhne mindestens um diesen Prozentsatz sinken. Damit
die Einkaufskraft der ArbeiterInnen und Werktätigen im Jahr 2001
genauso hoch liegt wie 2000 müssten ihre Löhne/Gehälter mindestens
entsprechend der Inflationsrate angehoben werden.
Aber für die ArbeiterInnen im öffentlichen Dienst ist eine 0%ige
Lohnerhöhung im Jahr 2001 vorgesehen! Ja, ihr habt nicht falsch
gelesen Null %!!! Uns sagen sie verarmt noch mehr, aber seid geduldig!
Das ökonomische Programm fordert von den ArbeiterInnen Opferbereitschaft
und Geduld!
Für die Beamten wird eine Lohnerhöhung "in Inflationshöhe" vorgesehen.
Wobei in der Praxis ihnen eine 12,5% Erhöhung angeboten wurde. Aber
soviel Mängel können schon sein. Und um alle zusammen aus dieser
Lage herauszukommen, kann man ja auch schliesslich von Staatsbeamten
"Geduld' und "Opferbereitschaft' erwarten.
Für die Kleingewerbetreibenden und die Bauern, also für die Kleinbourgeoisie
in Stadt und Land, sieht das Programm eine 400 Trillionen Türkische
Lira hohe Hilfe vor. Diese Summe wird als letzte "Unterstützung'
gesehen. Dabei war ausschlaggebend, dass die Wut der Kleingewerbetreibenden
geplatzt ist, und die Regierung schon vor der Bekanntmachung des
Programms das Wort gegeben hatte, dass sie ihre Kreditschulden mit
55% Zinsen zurückzahlen, und auch unter bestimmten Bedingungen neue
Kredite zu 55% Zinsen aufnehmen können. Desweiteren war die Regierung
gezwungen ihr Wort zu geben die Steuerschulden für einen Zeitraum
zurückzustellen. Die Regierung hatte als die Aktionen losgingen
keine andere Wahl als diese Zugeständnisse zu machen.
(Die Regierung hat auch noch weitergehende Versprechungen gegeben.
So z.B ein Gesetz zu erlassen, dass die riesigen Einkaufzentren
(Hypermarket) nur auserhalb der Städte angesiedelt werden dürfen.
D.h. sie gaben ein Versprechen, das der Entwicklung des Kapitalismus
entgegenwirkt. Dass sie das Wort gaben zeigt nur eins, wie sehr
die Aktionen der Kleingewerbetreibenden die Regierung verängstigt
haben!) Die verspochenen 400 Trillionen Türkische Lira werden Ğwenn
die Regierung ihr Wort hält sie zu gebenÑin kürzester Zeit aufgebraucht
sein! Danach soll jede Unterstützung gestoppt werden. Das bedeutet,
dass für die Kleingewerbetreibenden und Bauern ihre Vernichtung
als Klasse und ihre Verarmung vorgeplant ist. Die Herrschenden fordern
von ihnen: "Damit wir alle zusammen das Ende des Tunnels erreichen,
erwarten wir von euch das Opfer eure Vernichtung als Klasse zu akzeptieren.
Wir erwarten, dass ihr das als euer Schicksal geduldig entgegennehmt."
Die Verantwortlichen der Krise, die Gewinner der Krise, die grossen
Kapitalisten, die mit dem Imperialismus ineinander verwoben sind,
sind auch die Gewinner bei diesem Programm. Das Programm sieht für
sie keine einzige zusätzliche Ausgabe vor. Keine zusätzliche Gewinnsteuer,
keine Steuern aus Gewinnen von Spekulationen etc. Im Gegenteil dieses
Programm sieht vor, alle Hindernisse für das Monopolkapital, das
mit dem Imperialismus verwoben ist, wegzuräumen!
Darum haben sie sich gerecher Weise dieses Programm als ihr ureigenstes
angeeignet, und erwarten auch von den Politikern volle Unterstützung
für dieses Programm.
Dieses Programm ist eine verschärfte Kriegserklärung gegen die ArbeiterInnen,
Werktätigen, Kleingewerbetreibenden und Kleinbauern. Es ist die
Provokation selbst.
Damit die ArbeiterInnen, Werktätigen und die Kleinbourgeoisie nicht
gegen dieses Programm aufstehen, sondern es ohne Zwischenfall annehmen,
ist eine breite Medienkampagne inszeniert worden. Die Gehirne sollen
gewaschen werden. Parallel dazu werden mit dem gleichen Ziel einige
Krumen der Auslandsunterstützung verteilt. (Zum Beispiel wird es
seitens der Gewerkschaftsbonzen trotz alledem als Erfolg gewertet,
wenn bei den jetzigen Tarifverhandlungen eine geringprozentige Lohnerhöhung
erhalten wird, obgleich das Programm eine 0 prozentige Erhöhung
vorsieht!) Mit diesen Maßnahmen soll etwaigen Protesten vorgebeugt
werden. Wenn all diese Maßnahmen nicht ausreichen, und sich die
Bewegung der ArbeiterInnen, Werktätigen, Kleingewerbetreibenden
und Bauern entwickelt, dann werden sie den Ausnahmezustand ausrufen
um das Programm durchboxen.
Also, die Arbeiterklasse, die Werktätige, die Kleingewerbetreibenden
und Bauern erwartet in der Zukunft noch mehr Verarmung, noch mehr
Ausbeutung, noch mehr faschistische Unterdrückung. Darum kann es
für sie auch nur eine einzige Antwort an die Herrschenden geben:
Dem von oben durch die Bourgeoisie verschärften Klassenkampf muss
durch einen verschärften Klassenkampf von unten entgegengetreten
werden!
Alle Werktätigen und Unterdrückten müssen sich im Kampf gegen Armut
und Korruption, gegen das Abwälzen der Krise auf die Rücken der
Armen vereinen.
Nur durch den gemeinsamen militanten Kampf wird die Bourgeoisie
gezwungen sein, einige Schritte zurückzugehen.
Schluss mit der Geduld! Schluss mit der Ergebenheit in die göttliche
Fügung!
Es ist Zeit zu kämpfen! Es ist an der Zeit die gerechten Forderungen
zu erobern!
Es ist an der Zeit das Ausbeutersystem, die eigentliche Ursache
für die Krise dem Erdboden gleichzumachen!
Es ist an der Zeit zu verstehen, dass die Errichtung der eigenen
Macht der ArbeiterInnen und BäuerInnen nur über den Kampf möglich
ist!
17. April 2001
("Aufruf für eine neue Welt", Nr. 45/2001)
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