Vortrag zum 8. März 2000
Wir wollen einige Schlaglichter auf die Situation und Kämpfe von
werktätigen Frauen im 20. Jahrhundert werfen...
Vor hundert Jahren waren Frauen noch nicht einmal Staatsbürgerinnen.
Die bürgerliche Revolution proklamierte zwar Menschenrechte, darunter
verstand man allerdings Männerrechte. Der Mann war der Herrscher
in der Gesellschaft und in der Familie... Aber die kapitalistische
Entwicklung zog auch die Frauen in ihren Strudel. In der Industrie
wurden die proletarischen Frauen in die gesellschaftliche Produktion
hineingezogen, bürgerliche Frauen drängten in Berufe... und so forderten
sie auch politische Teilhabe.
Können wir uns heute vorstellen, daß Frauen an den Folgen von Polizeiprügeln
starben, nur weil sie für das Wahlecht eintraten.... und doch waren
heftige, militante Demonstrationen, Boykotts, spektakuläre Aktionen
notwendig um dieses minimale Grundrecht zu erkämpfen
Die bürgerlich und proletarische Frauenbewegung entwickelten sich
zwar schnell auseinander, aber es gab gemeinsame demokratische Grundrechte,
die sie gemeinsam erstritten....so das Wahlrecht für Frauen....
Nicht nur politisch rechtlos traten die proletarischen Frauen ins
20. Jahrhundert,
die Arbeitsbedingungen in den kapitalistisch sich entwickelnden
Ländern waren grauenerregend und es gab heftigen Widerstand.
Bereits 1930 wurde der 7 Stunden Tag gefordert... So arbeitslose
Frauen Hungermarsch nach London. Eine Losung, die noch heute 80
Jahre später höchst aktuell ist, Arbeiterinnen entwickelten in den
Kämpfen eine Militanz in der sie in nichts den männlichen Kollegen
nachstanden, ja oftmals sogar den längeren Atem hatten. So kämpfen
streikende Industriearbeiterinnen bewaffnet in Michigan für Lohnforderungen.
Die revolutionäre Bewegung in den zwanziger und dreißiger Jahren
wuchs rasant an. Eine hervorragende Vorkämpferin war Clara Zetkin.
Vor allem weil es die epochemachende Oktoberrevolution und den ersten
sozialistischen Staat gab, der wirkliche Befreiung für die Frauen
bedeutete, wuchs die kommunistische Frauenbewegung machtvoll an.
Sie schuf auch kraftvoll eine eigene Frauenpresse. Fragen nach der
speziellen Organisierung von Kommunistinnen und Arbeiterinnen wurden
gestellt, dem Männerchauvinismus auch in den eigenen kommunistischen
Reihen der Kampf angesagt. Gewerkschaftliche und sozialistische
Forderungen, die sich gegen die spezielle Unterdrückung der werktätigen
Frauen richteten, wurden aufgestellt.
Das anbrechende Jahrhundert war ein Jahrhundert der kolonialen Versklavung
... und des Aufbegehrens gerade auch der Arbeiterinnen und Bäuerinnen
der abhängigen Länder gegen Elend, Hungertod und feudale Knechtung,
Ein Brennpunkt war das koloniale Indien, das Kernstück des englischen
Kolonialreiches,
Bombay in den dreißiger Jahren, Frauen im Kampf gegen die Kolonialmacht.
Und es begann ein Jahrhundert der Kriege, der rassistischen Verfolgung
und der Flucht. So werden fast zwei Millionen griechische Frauen,
Männer und Kinder um 1929 von den Kemalisten aus der Türkei vertrieben.
Auf den ersten Weltkrieg folgte der von Nazi-Deutschland angezettelte
zweite, mit über 60 Millionen Toten...
und dem barbarischen systematisch geplanten und industriell durchgeführten
Völkermord an den europäischen Juden, und Roma und Sinti, der Vernichtungsfeldzug
gegen die slawischen Völker, der Ermordung von AntifaschistInnen
und KommunistInnen, Homosexuellen und allen die nicht ins Schema
des Rassenwahns der Arierdeutschen passten...
Aber auf der anderen Seite der Barrikade standen Frauen als leidenschaftliche
Kämpferinnen im Widerstand gegen den Nazi-Faschismus. So 1944 Zehntausende
bei einer antifaschistischen Demonstration in Athen, wo zwei Demonstranten
erschossen wurden.
Italienische Partisaninnen1944 kämpften aktiv im bewaffneten Untergrund,
die entscheidend mit zum Sieg über den Faschismus beitrugen,
wie in so vielen Ländern, die vom deutschen Hitler-Faschismus besetzt
waren.
Der Krieg hinterließ Leichenfelder, Schutt und Elend, verwüstete
Städte und Länder, aber auch die Hoffnung auf "Nie wieder Faschismus,
nie wieder Krieg!"
Befreiungsbewegungen weltweit nahmen enormen Auftrieb, Orientierungspunkt
wurde die VR China... in einem halbfeudalen, versklavten Land traten
die Frauen durch die Revolution mit an die Spitze der demokratischen
Volksrepublik, in Roten Frauenbatallionen hatten sie am Sieg über
den japanischen Faschismus, und den Imperialismus entscheidenden
Anteil.
Und die Kolonialreiche begannen zu schwanken.
Anklägerinnen waren die Unterdrücktesten.
Im Koreakrieg versuchte der US-Imperialismus gleich nach dem 2.Weltkrieg
seine Herrschaft zu festigen, und den Vormarsch des Kommunismus
zu stoppen.
Doch wie in Algerien fielen die Kolonialmächte. Die nationale Unabgängigkeit
wurde erstritten, aber der Neokolonialismus ergriff sich immer mehr
Platz... viele Befreiungsbewegungen verkamen zu Anhängseln des Sozialimperialismus
der Sowjetunion ... die Frauen kamen von einer Unterdrückung in die
nächste.
Südafrika ... ein weiteres Beispiel... das Massaker von Sharpville 1959
schwarze Frauen, Kinder und Männer niedergemäht von den herrschende
Rassisten. Frauen waren ein entscheidender Faktor für die Ablösung
der Apartheid.
Viele von ihnen sind es die heute in Südafrika weiter für den Sozialismus
gegen die Aussöhnung mit den Unterdrückern und gegen Armut, Rassismus,
Gewalt gegen schwarze Frauen, gegen das Leben in den Slums, Aids,
Arbeitslosigkeit... den Kampf auch gegen die alten Idole weiter tragen.
Und in den imperialistischen Ländern in den fünfziger, sechziger
Jahren: demokratische Bewegungen gegen Krieg, Wiederbewaffnung...
die nicht den Rahmen des Systems sprengen und die Frauen auf eine
pazifistische Rolle als Mütter und Friedensbewahrerinnen festlegen
wollten.
In den siebziger und achziger Jahren greifen vor allem auch Frauen
zu militanten gewaltsamen Aktionen gegen die atomare Hochrüstung
so in Greenham/USA. Vietnam... ein Epos des unbändigen Kampfeswillen
von Frauen, die sich nicht dem übermächtigen Feind ausliefern wollten,
die alles aufs Spiel setzten um wirkliche Befreiung zu erlangen,
die die traditionellen Werte über Bord warfen, die Waffe ergriffen
und listig dem technisch und materiell so weit überlegenen Feind
trotzten.
Der Vietnamkrieg wird zum Fanal von Emanzipationskämpfen weltweit:
die Jugend und Studentenbewegung in allen Ländern bringt auch eine
sich stark entwickelnde neue Frauenbewegung hervor... Ein Symbol:
Angela Davis, schwarze Bürgerrechtlerin, die 1968 Mitglied der revisionistischen
KP Amerikas wird, soll hingerichtet werden, eine weltumspannende
Solidaritätsbewegung verhindert das.
Die Kulturrevolution in China wird zum Vorbild des Kampfes gegen
den Revisionismus und Kommunistinnen stehen wieder in den ersten
Reihen.
Die Vertreibung und Qual des palästinensischen Volkes durch den
israelischen Staat, später dann die Intifada, bringen Guerillakämpferinnen
wie Leila Khaled hervor. Sie wird zum Sinnbild einer neuen Generation
von Frauen. Die Tragik liegt darin, daß die Befreiungsbewegungen
ohne eine klare kommunistische Führung im Nationalismus und in der
Aussöhnung mit dem Imperialismus landen.
So auch die kurdische Befreiungsbewegung...
die Vernichtungsstrategien des türkischen faschistischen Staates,
wie auch des irakischen Regimes, die zu solchen Massakern wie dem
1988 in Halabdja führen, rufen einen Aufschwung der kurdischen nationalen
Befreiungsbewegung hervor. Viele Frauen des kurdischen Volkes haben
sich mit Mut und Kampfbereitschaft in die Befreiungsarmee eingereiht,
haben dabei auch die Befreiung von Männerchauvinismus und feudalen
Fesseln anvisiert. Das bittere vorläufige Ende des Befreiungskrieges
ist bekannt.
Und heute am Ende des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des neuen Jahrtausends
und Jahrhunderts? Frauen kämpfen weltweit um ihre Rechte, kämpfen
für Befreiung und gegen Umweltzerstörung, ungerechte Kriege, Gewalt
gegen Frauen, Ausbeutung und Unterdrückung.
So kämpfen bis heute irische Frauen weiterhin gegen den Kolonialismus
des britischen Imperialismus, in Korea ringen heute noch über 50
Jahre nach dem Ende 2.Weltkrieges zehntausende koreanischer Frauen
um ihre Würde und um eine Verurteilung des japanischen Imperialismus
für seine faschistischen Verbrechen.
Weltweit sind immer noch die meisten der Millionen Flüchtlinge Frauen.
Weltweit leben immer noch Millionen Frauen unter den unwürdigsten
Bedingungen,
wenn sie Arbeit haben, dann wie indische Frauen in den Kohleminen
in Bihar Indien, jeder Korb auf ihrem Kopf hat über 30 kg Gewicht,
10-12 Stunden tragen sie die Kohle aus den Halden...
Es sind die Frauen der werktätigen Klassen, es sind die Arbeiterinnen
und Bäuerinnen, es sind die kleinen Angestellten und proletarischen
Hausfrauen, auf deren Schultern die Last des İberlebens und die
Verantwortung für ihre Familien ruht...
Demgegenüber die Konsum-Luxuswelt der imperialistischen Bourgeoisie,
zu der eben auch die Bourgeoisiefrauen wie Frau Thyssen, Frau Merkel,
Frau Clinton und ihrer Cliquen in den abhängigen Ländern inclusive
Frau Gandhi und Frau Ciller gehören. Unvorstellbarer Reichtum wird
herausgepresst aus den Knochen der Ausgebeuteten und Unterdrückten,
heute wie vor hundert, ja vor tausend Jahren. Das Kapital wächst
nicht an der Börse, sondern nur durch den Wert den ihr die Arbeitskraft
zusetzt, und das sind viele Millionen Frauenhände in den Baumwollfeldern
und Textilfabriken, in den High-tech-Computer Firmen und Dienstleistungsbetrieben...es
wird Zeit, endlich Zeit, daß der Reichtum den wir schaffen uns gehört,
nicht für Glitzer und überflüssigen Konsum, sondern für ein befreites
Leben in einer sozialistischen Gesellschaft in der jede nach ihren
Leistungen und ihren Bedürfnissen lebt und arbeitet !
Frauenkampf 2000 - International, mutig und mit Fantasie kämpfen
wir für den Sozialismus -
das ist keine Utopie !
("Aufruf für eine neue Welt", Nr. 33, April 2000)
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