Nicht die Vergewaltiger werden bestraft, sondern Journalisten, die über die Vergewaltigung berichten!Die Oberstaatsanwaltschaft Istanbul hat gegen unsere Zeitung "Aufruf für eine neue Welt" aufgrund der Berichterstattung über die Vergewaltigung von Gülbahar Gündüz eine Geldstrafe von 16 Milliarden Türkische Lira (ca 10.000 Euro) verhängt. In der Juni-Ausgabe veröffentlichten wir einen Artikel: "Der Angriff auf Gülbahar gilt uns allen". Darin wurde geschildert, was Gülbahar Gündüz widerfahren war. Gülbahar Gündüz berichtete in der Presseerklärung am 15 Juni in den Räumen des Menschenrechtsvereins (IHD) Istanbul, dass sie von 4 Zivilpolizisten entführt, 8 Stunden lang gefoltert und vergewaltigt wurde, um anschließend aus einem fahrenden Auto an den Wegrand gestoßen zu werden. In diesem Artikel haben wir auch zwei Fotos, die wir der Tagespresse entnommen hatten, abgedruckt. Die Staatsanwältin Nurten Altinok hat daraufhin, angeblich um das Opfer zu schützen(!), den Vorwurf gegen unsere Zeitung erhoben, wir hätten den Namen und das Foto der "Geschädigten" veröffentlicht. Wegen Mißachtung des Pressegesetzes wurde eine Geldstrafe von 16 Milliarden TL verhängt. Bei Nichtzahlung innerhalb von 10 Tagen wurde uns die Eröffnung eines Verfahrens angedroht. Anstatt dass der Staat die Täter, nach Aussage von Gülbahar Gündüz Staatsbedienstete, Polizisten in Zivil, bestraft, geht er gegen die Presse vor, die die Vergewaltigung und Folter publik machen. Das passt zu diesem Staat! Beim "Todesfasten-Hungerstreik" hat der Staat ein Massaker in den Gefängnissen angerichtet. Anschließend hat er gegen die über dieses Massaker berichtende Presse Strafen verhängt. Es ist eindeutig, was dieser Staat bezweckt: Alle, die die Wahrheit schreiben, sollen zum Schweigen gebracht werden, um die Schuld zuzudecken. Richter und Staatsanwalt in einem! Aber damit kommt er nicht durch! Wir werden nicht schweigen! Die Wahrheit wird doch ans Licht kommen. Schaut euch das an: Das Verbrechen an Gülbahar Gündüz, die sich für die Rechte der Frauen und des kurdischen Volkes einsetzt, wurde begangen, um sie zum Schweigen zu bringen und alle kämpfenden Frauen und das kurdische Volk einzuschüchtern. Anstatt dieses Verbrechen zu verfolgen, bestraft dieser Staat diejenigen, die dieses Verbrechen anprangern! Nein, dieser Staat verteidigt nicht die Rechte der Opfer! Dieser Staat schützt die Täter, die die Völker und Unterdrückten verfolgen, quälen und ihnen Schaden zufügen! Ein Staat, der die Rechte der Unterdrückten verteidigt, kann nur durch die Revolution erreicht werden. 22/8/2003"Aufruf für eine Neue Welt", Nr 70, September 2003 |
